Freiwillig zurück nach Syrien: Österreich lockt mit bis zu 3.000 Euro Heimkehrprämie

Freiwillig zurück nach Syrien: Österreich lockt mit bis zu 3.000 Euro Heimkehrprämie

Das Innenministerium setzt auf finanzielle Anreize, um syrische Flüchtlinge zur Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen. Für drei Monate gibt es erhöhte Prämien – aber der Blick auf die Lage in Syrien zeigt, warum das schwieriger ist als es klingt.

Die Aktion und ihre Zielgruppen

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat am Dienstag bei einer Pressekonferenz eine befristete Prämien-Aktion für freiwillige Rückkehrer nach Syrien angekündigt, die von Juli bis September 2026 läuft, wie oe24 berichtet. Unterschieden wird zwischen zwei Gruppen: Personen, die sich noch im Asylverfahren beziehungsweise in der Grundversorgung befinden oder subsidiären Schutz haben, sollen bei freiwilliger Rückkehr 3.000 Euro erhalten. Für Asylberechtigte wird die bisherige Prämie von 1.000 Euro auf 1.500 Euro angehoben.

Karner begründete den Schritt laut oe24 mit der Kostenseite: Freiwillige Rückkehr sei schlicht günstiger als Zwangsabschiebungen. Das Programm sei sowohl für Syrien selbst im Hinblick auf den Wiederaufbau wichtig als auch für Österreich zur Entlastung der Systeme. Wie viele Rückkehrer man sich erhofft, wollte der Innenminister nicht beziffern. Nach drei Monaten soll evaluiert werden. Höhere Zahlungen im Fall eines geringen Erfolgs schloss Karner aus.

Information und Ansprache per Mailing

Die Umsetzung soll aktiv erfolgen, wie oe24 schildert: Neben umfassenden Informationsblättern sollen jene Personen, die in Frage kommen, proaktiv per Mailing-Kampagne angeschrieben werden. Die zuständige Gruppenleiterin Elisabeth Wenger-Donig kündigte entsprechende Informationsmaßnahmen an.

13.000 Verfahren neu aufgerollt, 4.400 Schutzstatus gesenkt

Seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 hat Österreich laut Karner rund 13.000 Verfahren von Syrern wieder aufgemacht und neu bewertet, wie oe24 berichtet. Bei 4.400 Personen wurde der Schutzstatus gesenkt oder sogar aufgehoben. Insgesamt haben seit dem Machtwechsel in Damaskus rund 2.000 Syrer Österreich verlassen – teils freiwillig, teils zwangsweise.

Am Flughafen Schwechat: EU-Außengrenzverfahren angelaufen

Parallel läuft am Flughafen Schwechat seit kurzem das neue EU-Außengrenzverfahren. Laut Innenminister werden dort aktuell vier Personen im Grenzterminal angehalten, wo Schnellverfahren mit dem Ziel durchgeführt werden, Flüchtlinge ohne Asylgrund rasch außer Landes zu bringen, wie oe24 berichtet. Im ersten Halbjahr wurden laut Karner insgesamt rund 7.000 Personen außer Landes gebracht.

Was die Lage in Syrien zeigt

Wie schwierig eine Rückkehr tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die humanitäre Situation im Land. Laut PRO ASYL lebten Anfang 2026 mehr als fünf Millionen Binnenvertriebene in Syrien, verteilt auf mehr als 1.500 Lager und informelle Siedlungen. Allein zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 führten unkordinierte Rückkehrbewegungen wegen Landminen und nicht explodierter Munition zu 590 Toten und 1.022 Verletzten. Auch mehr als eineinhalb Jahre nach dem Sturz Assads existiert laut PRO ASYL kein umfassender nationaler Plan für sichere Rückkehr. Die Infrastruktur in weiten Teilen des Landes ist zerstört, funktionierende Versorgung mit Strom, Wasser und Gesundheitsleistungen fehlt in vielen Regionen. Der UN-Sondergesandte hatte europäische Rückkehrprogramme bereits mehrfach als verfrüht kritisiert, die syrische Übergangsregierung selbst bat Deutschland um mehr Zeit für den Wiederaufbau.

Dänemark bietet zum Vergleich bis zu 27.000 Euro Rückkehrprämie an – bislang mit überschaubarem Erfolg: Laut Berichten wurden bis Februar 2025 bundesweit kaum mehr als 100 Rückreisen staatlich gefördert.

Credits: BKA/Tarek Wilde

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