Paris hat seine Energiepolitik neu ausgerichtet: Kernkraft bleibt das Rückgrat der Stromversorgung, sechs neue Reaktoren kommen, und die alten laufen länger. Der Plan ist ehrgeizig – und teuer.
Der neue Fahrplan: Kernkraft statt Stilllegungen
Die Regierung unter Premierminister Sébastien Lecornu hat Frankreichs neue Energiestrategie – die sogenannte PPE3 – in Kraft gesetzt. Bemerkenswert: Wie das Nachrichtenportal blackout-news.de berichtet, hat die Regierung beschlossen, den Fahrplan per Dekret zu beschleunigen, ohne eine Parlamentsabstimmung, da ihr dafür die nötige Mehrheit fehlt. Blackout News
Der Kurswechsel ist drastisch. Noch 2017 hatte Präsident Macron im Wahlkampf die Abschaltung von 14 Reaktoren versprochen. Davon ist keine Rede mehr. Das neue Gesetz kippt die frühere Vorgabe, 14 Reaktoren stillzulegen. Blackout News Stattdessen soll der bestehende Reaktorpark optimiert und die Laufzeiten auf 50 bis 60 Jahre ausgedehnt werden.
Finanzminister Roland Lescure brachte die Linie auf den Punkt: „Wir müssen aufhören, unsere internen Familienstreitigkeiten auszutragen. Wir brauchen sowohl Atomkraft als auch erneuerbare Energien.“ Blackout News Und weiter: „Die Atomkraft ist das Rückgrat unseres Stromsystems.“ Blackout News
Sechs neue Reaktoren – mit Option auf acht weitere
Der französische Senat hat im Juli 2025 einen Gesetzentwurf verabschiedet, der vorsieht, dass bis 2050 mindestens 27 Gigawatt neue Kernkraftkapazität entstehen sollen – darunter 14 EPR2-Reaktoren. GRS Zunächst geplant sind sechs neue Anlagen der Baureihe EPR2, verteilt auf die Standorte Penly, Gravelines und Bugey. Ein Baubeginn in Penly ist für 2027 vorgesehen, mit einer Option für acht weitere Reaktoren zu einem späteren Zeitpunkt. Nuklearforum
Das Produktionsziel ist konkret: EDF soll 2035 mit dem bestehenden Reaktorpark 420 Terawattstunden aus Kernenergie erzeugen – etwa fünf Prozent mehr als bisher geplant. Blackout News
Die Kostenfrage: 73 Milliarden Euro, Staat trägt das Risiko
Der Preis der Ambitionen ist hoch. Laut IWR hat EDF die Kostenprognose für die sechs Neubauten auf 72,8 Milliarden Euro in Preisen von 2020 aktualisiert. Der erste Reaktor in Penly soll frühestens 2038 in Betrieb gehen IWR – also in mehr als einem Jahrzehnt. Die endgültige Investitionsentscheidung wird für Ende 2026 erwartet.
Finanzieren kann EDF das nicht allein. Der Conseil de politique nucléaire hat sich darauf geeinigt, EDF ein subventioniertes Staatsdarlehen zu gewähren, das mindestens die Hälfte der Baukosten abdecken soll. Nuklearforum Der produzierte Strom wird zusätzlich über eine staatlich garantierte Mindestvergütung mit 40-jähriger Laufzeit abgesichert.
Kritiker verweisen auf das Referenzprojekt Flamanville: EDF hatte dort 2007 mit Kosten von rund 3,3 Milliarden Euro geplant – laut französischem Rechnungshof beliefen sich die tatsächlichen Kosten auf 23,7 Milliarden Euro, mehr als das Siebenfache. Windmesse
Wind und Solar verlieren Ausbauziele
Die Kehrseite der Atom-Offensive: Das Ausbauziel für Windkraft an Land bis 2030 wurde von 33 auf 31 Gigawatt reduziert. Apollo News Insgesamt verschiebt sich die Energiestrategie klar weg von einem ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren.
Frankreich exportiert – auch nach Österreich
Frankreich erzeugte 2024 rund 570 Terawattstunden Strom und war Nettostromexporteur mit annähernd 105 TWh Stromexporten gegenüber 15 TWh Importen. GRS Ein Teil dieses Stroms fließt in die Nachbarländer – darunter auch nach Österreich, das selbst keine Kernkraftwerke betreibt und nach der Volksabstimmung gegen Zwentendorf 1978 bis heute auf Atom verzichtet.
Während Frankreich seine Reaktorkapazitäten bis 2050 massiv ausbaut, bleibt Österreich auf dem entgegengesetzten Kurs. Der Kontrast zwischen beiden Energiephilosophien dürfte die EU-Debatte über die Rolle der Kernkraft in den kommenden Jahren weiter befeuern.
Quellen: exxpress.at, IWR (iwr.de), GRS gGmbH (grs.de), Nuklearforum Schweiz, blackout-news.de, MarketScreener, apollo-news.net, Wikipedia (Kernenergie in Frankreich)
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