Der historische AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt sorgt in Österreich nicht nur für politische Reaktionen – die FPÖ macht sich auch die Berichterstattung des ORF zum Ziel scharfer Kritik. Der Vorwurf: eine Mischung aus handwerklichen Fehlern und einseitiger Kommentierung.
Von der Jubelstimmung zum Ärger
Die AfD hatte am Sonntag mit 43,8 Prozent einen haushohen Sieg eingefahren und damit erstmals in der Parteigeschichte Platz eins bei einer Wahl erreicht, die CDU kam als zweitstärkste Kraft nur auf 17,2 Prozent. Am Sonntagabend jubelte auch die FPÖ mit – am Montag war die Stimmung bereits deutlich getrübt. Grund dafür ist aus Sicht der Partei die Wahlberichterstattung des ORF. FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker findet dafür deutliche Worte: „Die zeigt einmal mehr deutlich, wie dringend notwendig es ist, beim ORF die Reset-Taste zu drücken.“ Es sei „eine Mischung aus Peinlichkeit und Penetranz“ gewesen, „vermischt mit unfassbaren und unhaltbaren Behauptungen, die als Analyse getarnt waren“.
Grafik-Panne in der Sonder-ZiB
Konkret verweist Hafenecker zunächst auf einen handwerklichen Fehler der ORF-Grafikabteilung: In der Sonder-ZiB sei die AfD mit 47 Mandaten ausgewiesen worden, alle anderen Parteien mit je 20 Sitzen – rechnerisch unmöglich in einem Landtag mit insgesamt 83 Mandaten. Immerhin sei die daraus resultierende Überfüllung des Landtags Moderator Tarek Leitner sofort aufgefallen, merkt Hafenecker süffisant an.
Scharfer Angriff auf Korrespondent Pfeifer
Deutlich schärfer fällt die Kritik an ORF-Korrespondent Andreas Pfeifer aus, den Hafenecker als eigentliches „Highlight“ der Berichterstattung bezeichnet. Bereits am Samstag habe Pfeifer im Ö1-Mittagsjournal gesagt, ein Teil der AfD-Führungsriege sei „nationalsozialistisch“ unterwegs. Am Wahlabend habe er zudem BSW-Chefin Sahra Wagenknecht als „irrlichternde Politikerin“ bezeichnet und die CDU-Verluste damit erklärt, dass Wähler mit ihrer Stimme für SPD und Grüne die AfD hätten schwächen wollen. Hafenecker widerspricht dieser Einschätzung mit eigenen Zahlen: SPD und Grüne hätten gemeinsam lediglich 3,9 Prozentpunkte hinzugewonnen, während die CDU 19,9 Prozentpunkte verloren habe. Sein Fazit dazu: „Diese Mathematik-Künste des Herrn Pfeifer genügen vielleicht fürs Stimmenzählen auf einem SPÖ-Parteitag, mit einer politischen Analyse haben sie jedoch nichts zu tun.“
Seitenhieb wegen Kickl-Vergleich
Zusätzlich verärgert zeigt sich die FPÖ über eine Bemerkung Pfeifers zu AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund, den der Korrespondent als „Charmeur“ bezeichnete – um im selben Atemzug anzumerken, dass FPÖ-Chef Herbert Kickl das eben nicht sei. Hafenecker zieht daraus ein hartes persönliches Fazit: Pfeifer habe mit diesem Auftritt und der Vermischung von Beschimpfungen und Meinung mit angeblicher Analyse „sich für zukünftige Ausflüge über das ORF-Korrespondenten-Reisebüro eigentlich selbst disqualifiziert“. Selbst technische Pannen während der Übertragung, bei der Pfeifers Ausführungen aufgrund einer ruckelnden Leitung nach Deutschland zeitweise nicht vollständig zu sehen waren, bewertet Hafenecker unter diesen Umständen positiv.
Forderung nach „Ende der Zwangsgebühren“
Für den FPÖ-Mediensprecher zeigt der Wahlabend insgesamt klaren Reformbedarf beim öffentlich-rechtlichen Sender auf: Die ORF-Information müsse endlich objektiv und neutral informieren, was am Wahlabend nicht der Fall gewesen sei. Sein Fazit: „Deshalb brauchen wir einen Umbruch im ORF. Wir brauchen saubere Information und ein Ende der Zwangsgebühren.“
Credits: Parlamentsdirektion/Johannes Zinner
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