Babler eröffnet Holzingers Biennale-Pavillon — und tritt damit in den nächsten Politstreit

Babler eröffnet Holzingers Biennale-Pavillon — und tritt damit in den nächsten Politstreit

Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler reiste persönlich nach Venedig, um den österreichischen Pavillon bei der Kunstbiennale zu eröffnen. Die FPÖ fordert seinen Rücktritt. Die SPÖ nennt die Kritik „kleingeistig“.

Eröffnung mit Ansage

Wie oe24 berichtet, reiste Babler am Mittwoch im Dienstwagen von Wien nach Venedig, hielt seine Eröffnungsrede im österreichischen Pavillon und trat danach den Rückweg an. Er stellte sich dabei klar hinter die umstrittene Produktion „Seaworld Venice“ von Performancekünstlerin Florentina Holzinger — und hinter die 600.000 Euro Bundesförderung, die das Projekt erhält.

„Die Aufgabe der Politik ist nicht, Kunst zu zähmen. Die Aufgabe der Politik ist es, ihre Freiheit zu schützen — gerade dann, wenn sie unbequem wird“, sagte Babler laut oe24. Österreich bekräftige mit seiner Teilnahme an der Biennale: „Wir nehmen Kunst ernst. Und wir nehmen ihre Freiheit ernst.“ Holzinger bezeichnete er als „radikal, körperlich, feministisch – und zutiefst politisch.“

Der Andrang beim Eröffnungstag war laut oe24 gigantisch. Bis nach Australien berichten internationale Medien über den österreichischen Pavillon — mit seinem aufbereiteten Besucher-Urin-Becken, nackten Performerinnen auf Jetskis und einer Glocke, die zu jeder vollen Stunde von einer unbekleideten Performerin anstelle des Klöppels betätigt wird.

FPÖ fordert Rücktritt

FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz ließ bei seiner Reaktion keine Zweideutigkeit zu. Wie oe24 berichtet, erklärte er: „Da reist der Vizekanzler mitten in der Rekordteuerung, mitten in einer Budgetkrise auf Kosten der Steuerzahler nach Venedig, um eine 600.000-Euro-Steuer-Show im Riesen-Klo zu verteidigen.“ Das sei ein „klarer Rücktrittsgrund“. Schnedlitz forderte Bablers Abgang als Kulturminister und rief nach vorgezogenen Neuwahlen. Einen Fehler leistete sich oe24 dabei selbst: Schnedlitz hatte behauptet, Babler sei „gejettet“ — tatsächlich reiste der Minister laut eigenem Ressort im Auto an.

SPÖ: „Kleingeistig und lächerlich“

SPÖ-Kultursprecherin Katrin Auer konterte scharf. Die FPÖ-Angriffe auf Holzinger und den Österreich-Pavillon seien „erwartungsgemäß kleingeistig und nachgerade lächerlich“, erklärte sie laut oe24. Die Künstlerin thematisiere Wasserverschmutzung und Ressourcenknappheit — Themen von globaler Relevanz. „Die Kläranlage, über die sich FPÖ-Schnedlitz so echauffiert, ist eine bekanntermaßen recht verbreitete Technik“, so Auer. Dass eine Künstlerin diese Realität sichtbar mache, dürfe kein politisches Tabu sein.

Credits: APA

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