FPÖ attackiert ORF: „Wahlbeeinflussung“ vor Ungarn-Wahl

FPÖ attackiert ORF: „Wahlbeeinflussung“ vor Ungarn-Wahl

Zwei Wochen vor der ungarischen Parlamentswahl eskaliert in Österreich der Streit um die Medienberichterstattung. Die FPÖ schießt sich auf den ORF ein – und erhebt schwere Vorwürfe.

Hafenecker: „Orchestrierte Meinungskampagne“

FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker erhebt schwere Vorwürfe gegen den ORF und weitere Medien. Wie exxpress.at berichtet, wirft er ihnen vor, rund um die ungarische Wahl kein ausgewogenes Bild zu zeichnen, sondern ein politisch gefärbtes Narrativ zu verbreiten. Nahezu ausschließlich würden Umfragen verbreitet, die die Oppositionspartei Tisza vorne sehen, während Ministerpräsident Viktor Orbán „systematisch schlechtgeschrieben“ werde. Hafenecker nennt das „einseitig, tendenziös und letztlich einen Versuch der Wahlbeeinflussung“.

Besonders stört ihn eine ZiB2-Schlagzeile: „Orbán vor Wahl unter Druck“. Für den FPÖ-Politiker ist das kein neutraler Journalismus, sondern die Bedienung eines politischen Wunschbilds. Da der ORF von Steuerzahlern finanziert werde, habe er eine besondere Verpflichtung zur Unparteilichkeit – der er aus Sicht der FPÖ nicht nachkomme.

Die Umfragenlage ist tatsächlich gespalten

Hafeneckers Kernargument: Die Umfragenlandschaft sei weit weniger eindeutig, als medial dargestellt. Er verweist darauf, dass McLaughlin & Associates Fidesz/KDNP mit 43 zu 37 Prozent vorne sieht, und das regierungsnahe Nézőpont Institut laut Daily News Hungary Fidesz im März mit 46 zu 40 Prozent prognostizierte.

Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Gesamtlage ein gespaltenes Bild: Wie PolitPro berichtet, liegt Tisza im gewichteten Aggregat mehrerer Institute derzeit bei rund 45,6 Prozent gegenüber 41,6 Prozent für Fidesz/KDNP. Unabhängige Institute wie Medián, Publicus und IDEA sehen Tisza laut taz und t-online teils mit deutlichem Vorsprung von zehn bis zwanzig Prozentpunkten unter entschlossenen Wählern. Die Andrássy Universität Budapest hält fest, dass Tisza in allen regierungsunabhängigen Umfragen seit über einem Jahr vor Fidesz liegt. Fidesz-nahe Institute kommen hingegen zu anderen Ergebnissen – die methodische Nähe zu einer der Parteien ist bei mehreren Instituten auf beiden Seiten dokumentiert.

POLITICO im Visier: Vorwurf der Umfragenmanipulation

Besonders brisant ist Hafeneckers Vorwurf gegen das Medienportal POLITICO. Wie exxpress.at berichtet, seien Ende November 2025 zwei Institute ohne nachvollziehbare Begründung aus dem POLITICO-Umfragenpool entfernt worden – darunter das „Center for Fundamental Rights“, das Fidesz vorne gesehen hatte. Gleichzeitig sei das Institut „Publicus Intézet“ aufgenommen worden, das bei der Wahl 2022 besonders weit vom tatsächlichen Ergebnis entfernt gelegen sei. Die Folge laut FPÖ: Der aggregierte Wert habe sich schlagartig von einem knappen Fidesz-Vorsprung zu einem deutlichen Tisza-Plus verschoben. Hafenecker nennt das „handfeste Umfragenmanipulation“.

100.000 Auslandsungarn im Blick

Aus FPÖ-Sicht bleibt diese Berichterstattung nicht folgenlos. Laut exxpress.at verweist Hafenecker darauf, dass rund 100.000 Auslandsungarn in Österreich leben und durch wochenlang verzerrte Berichterstattung in ihrer Meinungsbildung beeinflusst werden könnten. Das sei „demokratiepolitisch höchst bedenklich“.

Hafenecker kündigt zugleich an, was er für den Fall eines Orbán-Sieges erwartet: Das mediale „Drehbuch“ mit Verweisen auf russische Einflussnahme und Wahlmanipulation sei bereits vorbereitet. Die Ungarn-Wahl findet am 12. April 2026 statt – bis dahin dürfte der Ton sowohl in Budapest als auch in Wien noch rauer werden.


Quellen:

  • exxpress.at: „Wahlbeeinflussung“ – FPÖ attackiert ORF (28.3.2026)
  • PolitPro: Wahlumfragen Ungarn 2026 (politpro.eu)
  • Daily News Hungary: Fidesz führt Umfrage an – Nézőpont (März 2026)
  • t-online.de: Ungarn-Wahl 2026 – Magyar will Orbán ablösen
  • taz.de: Ungarn vor der Wahl – Orbáns Wahlkampf der Angst
  • Andrássy Universität Budapest: Schwerpunktthema Parlamentswahlen Ungarn 12. April 2026
  • Wikipedia (de): Parlamentswahl in Ungarn 2026

Credits: APA

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