Förderstopp trifft ZARA: Beratungsstelle gegen Hass im Netz droht das Aus

Förderstopp trifft ZARA: Beratungsstelle gegen Hass im Netz droht das Aus

Seit Montag werden keine neuen Beratungsfälle mehr angenommen. Bis Ende Juni könnte die Arbeit der Wiener Anti-Rassismus-Stelle vollständig eingestellt werden.

Förderung eingestellt – neuer Beginn ab sofort eingeschränkt

Wie oe24.at berichtet, hat das Bundeskanzleramt die seit 2018 laufende Förderung für den Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit – eingestellt. Die Konsequenzen sind unmittelbar: Wie ZARA auf seiner eigenen Website mitteilt, können ab Montag, 20. April 2026, neu gemeldete Fälle nur noch dokumentiert, aber nicht mehr aktiv beraten werden. Fälle, die vor diesem Datum eingegangen sind, werden noch weiter betreut. Ohne rasche alternative Finanzierung droht dem Verein bis Ende Juni das vollständige Aus.

ZARA betreibt seit 2017 die Beratungsstelle #GegenHassimNetz und seit dem Jahr 2000 die Beratungsstelle #GegenRassismus. Wie ZARA auf seiner Aktuell-Seite mitteilt, erreichte den Verein die Nachricht über den Förderstopp Anfang April 2026 – ohne ausreichend Vorlaufzeit für alternative Finanzierungslösungen. Zuletzt deckte der Bund laut oe24.at rund die Hälfte des ZARA-Budgets für den Bereich Hass im Netz ab.

Ministerium verweist auf budgetäre Gründe

Wie oe24.at unter Berufung auf den Standard berichtet, verweist das mittlerweile von Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) geführte Ministerium auf „budgetäre Gründe“. Man betone, dass „Gewaltschutz und Gewaltprävention gesamtgesellschaftliche Aufgaben“ seien, „zu deren Erfüllung mehrere Ministerien Verantwortung tragen“. Eine konkrete Lösung oder ein Nachfolgeträger wurde nicht benannt.

Pikantes Timing: Nationaler Aktionsplan gegen Gewalt

Besonders brisant ist laut oe24.at das zeitliche Zusammentreffen: Erst kürzlich kündigte Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) an, den Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen rasch umsetzen zu wollen – mit einem zentralen Fokus auf Gewalt im digitalen Raum. Genau jene Stelle, die seit Jahren Betroffene bei Online-Hassdelikten unterstützt und psychosoziale Prozessbegleitung bietet, verliert zeitgleich ihre Finanzierung.

Scharfe Kritik von SOS Mitmensch

Wie oe24.at berichtet, bezeichnete SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak den Förderstopp in einer Aussendung als „nicht weniger als einen Anschlag auf die Anti-Rassismus-Arbeit in Österreich“. Ministerin Bauer sei offenbar nicht bewusst, wie wichtig eine unabhängige Anlaufstelle für Rassismusbetroffene sei. Der Förderstopp sei „durch nichts zu rechtfertigen“.

Credits: APA

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