Fitness, KI und Social Media: Wie Islamisten heute werben

Fitness, KI und Social Media: Wie Islamisten heute werben

Radikale Netzwerke agieren längst nicht mehr im Verborgenen, sondern setzen gezielt auf moderne Kommunikationskanäle. Der neue Jahresbericht der Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) zeigt, wie Alltagsthemen wie Fitness und Ernährung mit ideologischen Botschaften verknüpft werden – und wie selbst Künstliche Intelligenz zum Ziel gezielter Beeinflussung wird.

Fitness als Einstiegstür

Wie oe24.at unter Berufung auf den DPI-Jahresbericht berichtet, verbinden islamistische Influencer zunehmend Alltagsfragen, Ernährung und persönliche Weiterentwicklung mit ideologischen Inhalten. Der Westen dient dabei als Feindbild, die liberale Demokratie wird grundsätzlich infrage gestellt. Als konkretes Beispiel nennt der Bericht das Projekt „Rujulah 1.000“, initiiert von einer Führungspersönlichkeit der salafistischen Missionierungsorganisation IMAN. Über Glauben, Selbstoptimierung und strenge Disziplin soll damit eine „maskuline Exzellenz“ erreicht werden, das Angebot umfasst Retreats und Kurse, die mit „wahrer Männlichkeit“ werben. Auch die Sportmarke „Deenathletic“ setzt laut dem Bericht auf Fitness als niederschwelligen Zugang zu religiös geprägten Gemeinschaften, um neue Mitglieder zu gewinnen. Dass sich mit diesem islamistischen Lifestyle zugleich Geld verdienen lässt – über Bücher, Coachings, Retreats oder Vernetzungstreffen –, ist aus Sicht der DPI ein zusätzlicher Antrieb für die Professionalisierung solcher Angebote.

Wenn Wikipedia zur Zielscheibe wird

Neu ist der Fokus des Berichts auf Künstliche Intelligenz. Weil Sprachmodelle, Chatbots und automatische Suchzusammenfassungen auf frei verfügbare Daten im Netz zurückgreifen, versuchen einschlägige Akteure gezielt, Wissensplattformen zu beeinflussen. Konkret dokumentiert der Bericht, dass im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel über die Muslimbruderschaft wiederholt kritische Quellen von einzelnen Nutzern entfernt und positive Darstellungselemente ergänzt wurden. Die Logik dahinter: Wer Inhalte auf großen Wissensplattformen prägt, beeinflusst mittelbar auch die Informationen, auf die KI-Systeme zugreifen.

Direkter Österreich-Bezug: Ein Kanal aus Linz

Über allgemeine Trends hinaus verweist der Bericht auch auf ausländische Akteure und die türkeistämmige Diaspora, in der über Vereine, Bildungseinrichtungen und Medien ein Weltbild propagiert wird, das eine „islamische Zivilisation“ der westlichen Gesellschaft gegenüberstellt – eine Entwicklung, die laut DPI auch Österreich unmittelbar betrifft. Besonders konkret wird der Österreich-Bezug beim Propagandamedium „Gaza Now“, das laut Bericht von einem in Linz lebenden Aktivisten gegründet wurde. Dem arabischsprachigen Kanal folgen mehr als 1,3 Millionen Menschen, dem englischsprachigen knapp 200.000 – verbreitet wird dort unter anderem Bildmaterial der Al-Qassam-Brigaden, in dem deren Kämpfer heroisiert werden. Wie die „Oberösterreichischen Nachrichten“ berichten, widmet der neue Jahresbericht den Aktivitäten in Linz sogar ein eigenes Kapitel unter dem Titel „Europa als Aktionsraum der Hamas“.

DPI warnt vor Professionalisierung

DPI-Direktorin Lisa Fellhofer ordnet die Entwicklung in ihrer Gesamtheit ein: „Der DPI-Jahresbericht dokumentiert die Professionalisierung und Diversifizierung von Akteuren des Politischen Islams. Die liberalen Demokratien in Europa müssen sich dieser Herausforderung stellen.“ Es sei entscheidend, die Methoden und Strategien der Bewegungen des Politischen Islams zu durchschauen – etwa die zunehmende Nutzung neuer identitätsstiftender Angebote, wie sie sich beim Fitness- und Lifestyle-Trend zeige.

Ob und wie Politik und Sicherheitsbehörden auf die im Bericht dokumentierten Entwicklungen reagieren, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen.

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