Österreichs Außenministerin fordert 48-stündige Waffenruhe – und erntet dafür Spott und scharfe Kritik in den sozialen Medien.
Mitten in der eskalierenden Nahost-Krise hat Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) mit einem ungewöhnlichen diplomatischen Schritt für Aufregung gesorgt. Sie kontaktierte am Mittwoch die Vertreter Israels, Irans und der USA in Wien und bat sie um eine 48-stündige Feuerpause – mit dem Ziel, gestrandete Österreicher sicher aus der Krisenregion herauszuholen. Heute.at
17.000 Österreicher feststeckend
Der Hintergrund ist ernst: Rund 17.700 Österreicher sind derzeit im Krisengebiet registriert, davon rund 2.600 Urlauber. Die übrigen 15.000 haben ihren Hauptwohnsitz in der Region. Aufgrund der aktuellen Luftraumsperren ist die Rückkehr für viele schlicht nicht möglich. PULS 24
Seit dem 20. Februar 2026 gilt für den Iran die höchste Reisewarnung (Sicherheitsstufe 4). Der Flugverkehr wurde weitgehend eingestellt, zahlreiche Lufträume sind gesperrt – betroffen sind auch internationale Drehkreuze wie Dubai und Katar. Europäisches Verbraucherzentrum Österreich
Die Regierung organisiert Evakuierungsflüge ab Maskat im Oman sowie Busverbindungen, um gestrandete Reisende aus den Emiraten und Katar dorthin zu bringen. Austrian Wings Das Bundesheer selbst kann dabei kaum helfen: Die beiden verbliebenen C-130-Hercules-Transportmaschinen sind derzeit nicht einsatzbereit – eine befindet sich in Portugal zur Wartung, die andere hat technische Probleme. JUNGE FREIHEIT
Deeskalation als Ziel – Spott als Reaktion
Meinl-Reisingers Vorgehen ist österreichische Außenpolitik in klassischer Neutralitätstradition. Im Ö1-Morgenjournal, wie Puls 24 berichtet, betonte sie: Die Angriffe des Iran auf Partnerstaaten am Golf seien „aufs Schärfste zu verurteilen“ und „brandgefährlich“ – zugleich rief sie zu Deeskalation und einer Rückkehr zur Diplomatie auf. PULS 24
Auf der Plattform X kam das weniger gut an. Zahlreiche Nutzer reagierten mit Spott: „Haben die sehr gelacht? Was haben sie geantwortet?“ Ein anderer User schrieb: „Österreich ist viel zu klein für Meinl-Reisinger. Sie fühlt sich als Außenministerin der ganzen Welt.“ exxpress
Auch die Frage nach dem Timing der Evakuierung sorgt für Unmut. Kritiker werfen der Regierung vor, zu spät gehandelt zu haben – andere EU-Länder wie Deutschland, Tschechien und die Slowakei hätten bereits früher Charterflüge organisiert. exxpress
Krisenstab tagt zweimal täglich
Ungeachtet der Online-Kritik läuft der Krisenbetrieb im Außenministerium auf Hochtouren. Wie vol.at berichtet, tagt der Krisenstab derzeit zweimal täglich – mit der Außenministerin, den per Video zugeschalteten Botschaftern in der Region sowie Vertretern aus dem Innen- und Verteidigungsministerium. VOL.AT
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) betonte, die Sicherheit der im Ausland gestrandeten Österreicher habe höchste Priorität. Die Energieversorgung Österreichs sei gesichert, da das Land weder wirtschaftlich noch energiepolitisch vom Iran abhängig sei. Bundeskanzleramt der Republik Österreich
Ob die Feuerpause-Bitte bei den Botschaftern in Wien irgendetwas bewirkt hat, blieb zunächst offen. Die Evakuierungsflüge laufen jedenfalls weiter – mit oder ohne Antwort aus Teheran.
Credits: APA
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