Es sollte der große Wurf für die heimische Gastronomie werden. Seit Juli 2025 gibt es in Österreich die neue vegan-vegetarische Kochlehre. Die Idee dahinter klang vielversprechend: Den Fachkräftemangel bekämpfen und gleichzeitig den neuen Appetit der Gäste auf pflanzliche Kost stillen. Doch die Realität sieht aktuell anders aus. Die revolutionäre Ausbildung kommt einfach nicht in Fahrt.
Mickrige Zahlen zum Start
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Österreichweit absolvieren aktuell nur elf Personen diese neue Ausbildung. Davon entfallen gerade einmal sechs Lehrlinge auf die Bundeshauptstadt Wien. Den Rest teilen sich die Steiermark mit drei und Kärnten mit zwei Auszubildenden. In Tourismus-Hochburgen wie Tirol gibt es laut news.at bisher keinen einzigen Ausbildungsbetrieb für die fleischlosen Kochanwärter.
Warteschlange der Bewerber
Liegt es also an der fehlenden Motivation der Jugend? Keineswegs! Das Interesse ist riesig. Wie die Lehrlingsbörse der Veganen Gesellschaft laut oe24.at vermeldet, wollen allein in Wien rund 65 Interessenten sofort mit der Ausbildung loslegen. Das große Problem: Es scheitert an den Betrieben. Derzeit haben in ganz Wien nur fünf Restaurants die nötige Zulassung, um diese speziellen Lehrlinge überhaupt ausbilden zu dürfen. Viele junge Talente sitzen daher in der Warteschlange und hoffen auf schnelle Bürokratie. Zwei weitere Betriebe stehen immerhin kurz vor der Genehmigung, zwölf weitere haben bereits Interesse angemeldet.
Ein kleiner Lichtblick in Wien-Meidling
Trotz der zähen Anlaufphase gibt es auch gute Nachrichten. In Wien konnte bereits eine eigene Berufsschulklasse aus dem Boden gestampft werden. Der Unterricht findet in der Berufsschule in Wien-Meidling statt, wo auch die Lehrlinge aus den anderen Bundesländern die Schulbank drücken.
Kritik an der Nischenlösung
Nicht alle sind mit dem aktuellen Kurs zufrieden. Dem Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband (SWV) Wien geht die neue Lehre nicht weit genug. Wie swv.wien berichtet, fordert Präsident Marko Fischer eine umfassende Reform der gesamten Kochlehre statt reiner Nischenlösungen. Angehende Köche sollten von Anfang an die Vielfalt der internationalen Küche lernen, anstatt jahrelang nur die traditionelle österreichische Küche pauken zu müssen. Wirtschaftskammer-Spartenobmann Alois Rainer sieht das Projekt laut news.at vorerst als Versuchsmodell. Ob sich die Lehre dauerhaft etabliert, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Bis 2030 ist das Projekt vorerst angesetzt – es bleibt also noch Zeit, um das Ruder herumzureißen.
Quellen: oe24.at, derStandard.at, news.at, nachrichten.at, swv.wien
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