Fate von Velaj, oder: „Wenn der Esel zum Ritter wird“

Fate von Velaj, oder: „Wenn der Esel zum Ritter wird“


Der albanische Botschafter in Wien, Fate Velaj (auch unter dem Namen Fatmir Velaj bekannt), gerät weiter ins Kreuzfeuer öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit. 

Im Zentrum stehen Recherchen internationaler Medien und Hinweise aus Ermittlerkreisen, die eine potenzielle Verstrickung Velajs in undurchsichtige Vorgänge nahelegen – darunter mögliche frühere Kontakte zu nachrichtendienstlichen Netzwerken sowie der Verdacht, diplomatische Privilegien zum Schutz eines Familienmitglieds eingesetzt zu haben.

Toyota-Yaris-Affäre: Millionenfund mit politischer Sprengkraft

Auslöser der Diskussion ist ein aufsehenerregender Fund im Hafen von Durrës (Albanien): Im Juni 2018 entdeckte die Polizei rund 3,4 Millionen Euro in bar, versteckt in zwei Toyota Yaris, die über Belgien und Deutschland nach Albanien transportiert worden waren (Albanian Daily News). Die Fahrzeuge standen laut albanischen Medien in Verbindung mit einem deutschen Unternehmer, der das Bargeld angeblich für legale Investitionen in Albanien bestimmt sah – eine Darstellung, die von Ermittlungsbehörden in Frage gestellt wird (Politiko.al).

Diplomatie im Zwielicht: Schutz für gesuchte Person?

Brisant ist ein weiterer Aspekt des Falls: Erjona Daupaj, die Schwägerin Velajs, steht laut Berichten der Spezialstaatsanwaltschaft gegen Korruption und organisierte Kriminalität (SPAK) unter Verdacht, in die Affäre verwickelt zu sein. Mehrere Quellen, darunter das Investigativportal Fass ohne Boden, berichten, dass Daupaj sich zeitweise im Schutz der albanischen Botschaft in Wien aufgehalten haben soll – womöglich, um sich dem Zugriff der albanischen Justiz zu entziehen. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor. Ermittler prüfen nun offenbar auch Mobilfunkdaten, um den genauen Aufenthaltsort in kritischen Zeiträumen rekonstruieren zu können.

Geheimdienstvergangenheit?

Laut gut informierten Kreisen sollen Ermittler auch frühere Kontakte Velajs zu Strukturen des ehemaligen jugoslawischen Nachrichtendienstes UDBA untersuchen. Hinweise auf derartige Verbindungen werden aktuell forensisch und journalistisch überprüft – sowohl durch Ermittlungsbehörden als auch durch Medienvertreter in mehreren europäischen Ländern. Klar ist das am 2.6.2023 das albanische Außenministerium eine Überprüfung (siehe Dokument) von 3 Personen für eine Botschafterposition intern überprüfen haben lassen – das Kürzel F.V. steht für Fate Velaj. Tatsache ist, dass neben den albanischen investigativen Ermittlungen auch serbische und israelische Informationsdienste zur Klärung beitragen und Dokumente auswerten. Bisher gibt es keine abschließenden Bewertungen, und es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Politischer Druck wächst – auch in Österreich

Die albanische Diaspora in Wien zeigt sich alarmiert. Ein langjähriges Mitglied, das anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber unserer Redaktion:

„Wir fordern den Ministerpräsidenten Edi Rama und Außenminister Igli Hasani auf, einen neuen, unbelasteten Botschafter mit einwandfreiem Leumund nach Wien zu entsenden.“

Fate von Velaj, oder wenn der Esel zum Ritter wird (Kastriot Myftaraj 1966-2022).

Auch der bekannte albanische Journalist & Analyst Kastriot Myftaraj der aus nicht geklärten Umständen aus dem Leben gegangen ist, hat Fate Velaj bereits 2014 einen persönlichen Artikel gewidmet. ( https://www.facebook.com/100044320365138/posts/646439522081522/ )

Zitat Kastriot Myftaraj: „Zum Abschluss: In Albanien sagt man, der Ritterorden, den Fate erhielt, sei der Moment, wo „der Esel zum Ritter wird“. Und als Edi Rama ihn bei der Zeremonie umarmte, soll er ihm ins Ohr geflüstert haben: „Mein alter Freund, der Esel, hätte diese Auszeichnung mehr verdient als du.“

Opposition möchte Bestellung des Botschafters überprüfen

Auch in Österreich hat der Fall politische Wellen geschlagen. Die Opposition plant eine parlamentarische Anfrage an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Es geht unter anderem um die Bestellung des Botschafters, die Rückendeckung der aktuellen Bundesregierung insbesondere der SPÖ & NEOS, sowie um die Frage, ob im Fall einer gerichtlichen Verurteilung von Velaj ein Antrag auf eine erneute österreichische Staatsbürgerschaft nach Beendigung seiner diplomatischen Tätigkeit noch zulässig wäre. Zudem steht zur Diskussion, verliehene Auszeichnungen wie das „Goldene Verdienstzeichen der Republik“ sowie akademische Titel auf ihre Berechtigung zu prüfen.

Regierung in Tirana unter Zugzwang

In Tirana scheint man die Brisanz zu erkennen: Insider berichten, dass eine Abberufung Velajs als Botschafter intern diskutiert wird. Offiziell wurde bislang nichts bestätigt, doch laut Beobachtern wächst der Druck auf die albanische Regierung täglich.

Der Fall Velaj zeigt exemplarisch, wie fragil das Gefüge aus diplomatischer Immunität, politischem Vertrauen und internationaler Rechtsstaatlichkeit sein kann. Die Ermittlungen – sowohl staatsanwaltlich als auch journalistisch – laufen auf Hochtouren. Ob sich die zahlreichen Verdachtsmomente zu stichhaltigen Vorwürfen verdichten, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die diplomatische Bühne wird zunehmend zum Schauplatz internationaler Transparenzforderungen. Und Wien steht dabei im Rampenlicht.

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