Berlin-Hack: Erpresser machen Drohung wahr – Millionen Dateien im Darknet

Berlin-Hack: Erpresser machen Drohung wahr – Millionen Dateien im Darknet

Der befürchtete Ernstfall ist eingetreten: Rund drei Wochen nach dem massiven Cyberangriff auf die Berliner Landesverwaltung haben die verantwortlichen Hacker ihre gestohlenen Daten tatsächlich veröffentlicht. Die große Sorge gilt nun dem Missbrauchspotenzial der sensiblen Informationen.

Ultimatum abgelaufen, Daten online

Wie der Standard berichtet, hat die Erpressergruppe Rhysida nach Ablauf ihrer Frist rund 1,44 Millionen Dateien ins Darknet gestellt – darunter Gehaltslisten und Informationen zum Katastrophenschutz. Konkreter wird die Nachrichtenagentur dpa: Demnach umfasst das veröffentlichte Datenpaket etwa 5,8 Terabyte und enthält neben Personalakten und Gehaltsabrechnungen auch vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüssen sowie Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung. Vorausgegangen war eine Lösegeldforderung von 30 Bitcoin, umgerechnet rund zwei Millionen Euro, die der Berliner Senat abgelehnt hatte. Auf ihrer Leak-Seite verkündeten die Täter nach eigenen Worten das Ende der „Auktion“ mit den Worten: „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen.“

Brisante Funde: CBRN-Pläne und persönliche Daten

Besonders heikel wird es bei einem Blick in die Details des Leaks. Laut einer Analyse von euronews findet sich unter den veröffentlichten Dokumenten unter anderem ein Ordner mit dem Titel „AG CBRN-Rahmenplanung“ – die Abkürzung steht für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren. Zusätzlich seien zahlreiche persönliche Daten von Landesbeamten abgeflossen, darunter Geburtsurkunden, Abwesenheitslisten, Telefonnummern und Wohnadressen.

Auch Bezirksdaten betroffen

Der Datenabfluss beschränkt sich nicht nur auf die Senatsebene. Wie der Tagesspiegel berichtet, sind durch den Angriff auch mehrere Hundert Bebauungspläne aus allen zwölf Berliner Bezirken öffentlich geworden, dazu personenbezogene Daten von Mitarbeitern sowie Dokumente zu kritischer Infrastruktur und Katastrophenschutz. Nach RBB-Informationen wurden die rund 1,4 Millionen Dateien in mehreren Paketen zugänglich gemacht; laut Senatskanzlei könnten sich darunter auch personenbezogene Daten von Bürgern und Unternehmen befinden – nicht nur von Landesbeschäftigten.

Wer steckt hinter Rhysida?

Bei der verantwortlichen Gruppe handelt es sich laut Einordnung von euronews um eine seit 2023 aktive, professionell organisierte Ransomware-Bande, die ihre Opfer mit gestohlenen Daten erpresst. Hinweise auf einen staatlichen Auftraggeber gibt es demnach bislang nicht – Experten vermuten die Hintermänner im osteuropäischen Raum. Bereits 2023 hatte Rhysida einen ähnlichen Angriff auf eine britische Bibliothek verübt, dabei rund 600 Gigabyte Daten erbeutet und nach verweigerter Zahlung ebenfalls veröffentlicht – die Einrichtung kämpft laut dem Bericht bis heute mit den Folgen.

Ungewisses Ausmaß, weitere Leaks möglich

Beauftragte IT-Forensiker untersuchen die veröffentlichten Daten nach Angaben der Berliner Senatskanzlei derzeit mit Hochdruck. Offen ist laut euronews auch, ob mit dem aktuellen Datenpaket bereits alle gestohlenen Informationen veröffentlicht wurden oder ob Rhysida noch weiteres Material zurückhält. Die Berliner Verwaltung prüft nach eigenen Angaben, ob über das bekannte Datenpaket hinaus zusätzliche Informationen abgeflossen sind.

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