“Falsche Seite der Geschichte”: Selenskyj geht auf Konfrontation mit Trump

“Falsche Seite der Geschichte”: Selenskyj geht auf Konfrontation mit Trump

Der Ton zwischen Kiew und Washington wird rauer. Bei seinem Besuch in Großbritannien hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj US-Präsident Donald Trump ungewöhnlich offen kritisiert. Dazu kommen schwere Vorwürfe aus Kiew: fehlende Raketenwarnungen aus den USA und ein Ausfall des Satellitennetzes, auf das die ukrainische Armee angewiesen ist.

“Wir verkaufen unser Land nicht”

Im Interview mit dem britischen Journalisten Piers Morgan sagte Selenskyj laut AFP: “Wenn Sie in der Mitte sind, müssen Sie in der Mitte bleiben, nicht auf der falschen Seite. Ich denke, Trumps Berater liegen falsch. Ich weiß nicht, wer ihn auf die falsche Seite drängt. Das ist nicht die richtige Seite der Geschichte.” Gleichzeitig stellte er klar, dass die Ukraine keine Zugeständnisse auf eigene Kosten machen werde: “Wir verkaufen unser Land nicht. Seht her, Leute, es geht für uns nicht um Geschäfte. Es geht um unser Leben.” Laut US-Medien sagte Selenskyj in dem Gespräch auch, er habe sich von Trumps Diesel-Deal mit Wladimir Putin verraten gefühlt.

Der Diesel-Deal als Auslöser

Hintergrund ist eine Vereinbarung, die Trump Anfang Oktober nach einem Telefonat mit Putin verkündet hatte. Wegen der durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Treibstoffpreise steht er kurz vor den Kongresswahlen am 3. November unter Druck. Trump verlangte ein Ende der ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien, setzte Sanktionen für russische Dieselimporte aus und forderte offen einen neuen Präsidenten für die Ukraine. Laut AFP kündigte er zudem eine “Energie-Waffenruhe” zwischen Russland und der Ukraine an, von der Selenskyj nach eigenen Angaben nichts wusste. Der Kreml rechnet laut AFP “in den nächsten Tagen” mit ersten Diesel-Lieferverträgen. Zwölf US-Senatoren, darunter sechs Republikaner, warfen Trump wegen des Deals “Verrat” am ukrainischen Volk vor.

Satellitennetz plötzlich gedrosselt

Für zusätzliche Spannungen sorgt das Satellitennetz von Elon Musks Firma SpaceX. In der Nacht auf Mittwoch war es laut ukrainischem Verteidigungsministerium stark eingeschränkt, ukrainische Angriffe seien dadurch gescheitert. Die Armee nutzt das System zur Kommunikation an der Front und zur Steuerung von Drohnen. “Wenn die Angriffe weitergehen und Starlink nicht funktioniert, werden natürlich Menschen sterben”, sagte Selenskyj zu Morgan. Kurz darauf meldete das Ministerium eine Verbesserung der Verbindung, SpaceX halte allerdings an einer Geschwindigkeitsgrenze von 161 Kilometern pro Stunde fest. Musk wies die Verantwortung von sich: Die militärische Version Starshield gehöre der US-Regierung und werde von ihr kontrolliert, schrieb er auf X. “Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom US-Militär und letztlich vom Präsidenten entschieden.” Erst vor wenigen Tagen hatte Musk Trumps Forderung nach einem neuen ukrainischen Präsidenten mit den Worten unterstützt: “Selenskyj ist zu weit gegangen.”

Vorwurf: Keine Warnung vor Raketen

Noch schwerer wiegt ein weiterer Vorwurf. Ein ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter sagte AFP, die USA hätten die Ukraine bereits zweimal nicht über den Start russischer Raketen informiert, als Angriffe auf den Energiesektor erfolgten. Es sei “offensichtlich”, dass Russland “aus irgendeinem Grund” geholfen werde. Selenskyj selbst beklagte, man sei “wieder einmal” nicht rechtzeitig gewarnt worden. Washington weist das zurück: Ein US-Regierungsvertreter bestritt eine Änderung beim Austausch von Geheimdienstinformationen, auch Trump bestritt eine entsprechende Drohung. NATO-Generalsekretär Mark Rutte verwies auf Trumps Zusicherung, der Austausch gehe weiter, auch die EU sah “keine Anzeichen” für einen Stopp.

Credits: BKA Christopher Dunker

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