Beim Xiangshan-Sicherheitsforum in Peking haben führende Sicherheitsexperten aus den USA und China eindringlich zu direkten Gesprächen über die Risiken Künstlicher Intelligenz aufgerufen. Der Hintergrund: Wachsende Sorgen über den militärischen Einsatz der Technologie treffen auf einen ohnehin schon intensiven Wettlauf zwischen den beiden Supermächten.
„Beide Seiten müssen sich zusammensetzen“
Der amerikanische Asien-Sicherheitsexperte David Finkelstein brachte die Dringlichkeit am Dienstag auf den Punkt: „Allein aus diesen beiden Gründen müssen sich beide Seiten zusammensetzen und darüber sprechen.“ Seine Einschätzung: KI sei für Washington und Peking gleichzeitig ein Feld der Zusammenarbeit und des Wettbewerbs. Besonders heikel sei dabei der militärische Einsatz der Technologie – konkret verwies Finkelstein auf die offene Frage, welche Rolle KI künftig bei der Führung und Kontrolle von Atomwaffen spielen könnte.
Chinas Position: Der Mensch soll die Kontrolle behalten
Eine andere Akzentuierung setzte der frühere chinesische Botschafter in Washington, Cui Tiankai. Er betonte Pekings Grundsatz, wonach der Mensch im Mittelpunkt stehen und KI „für das Gute“ eingesetzt werden müsse.
Unterschiedliches Tempo-Verständnis
Die Forderung nach direktem Austausch trifft auf eine ohnehin schon aufgeheizte Debatte über das richtige Entwicklungstempo bei KI. Während führende amerikanische KI-Unternehmer zuletzt wegen möglicher Gefahren eine bewusste Verlangsamung bei besonders leistungsfähigen Systemen gefordert hatten, stößt diese Idee in China auf deutliches Misstrauen: Staatsmedien werteten den Vorstoß als Denken aus Zeiten des Kalten Krieges.
Ein möglicher Dialog vor dem Xi-Besuch
Konkreter werden könnte das Thema schon bald: Chinas Staatschef Xi Jinping wird am 24. September in den USA erwartet. Wu Xinbo, Professor für amerikanisch-chinesische Beziehungen an der Fudan-Universität in Schanghai, rechnet bereits im Vorfeld dieses Gipfels mit einem eigenen KI-Dialog zwischen beiden Ländern. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht gegenüber den möglichen Absichten Washingtons: Die USA hätten in der Vergangenheit versucht, Chinas technologische Entwicklung gezielt einzudämmen, weshalb ein solcher Dialog aus seiner Sicht auch dazu dienen könnte, den chinesischen Aufstieg bei KI zu bremsen. „China muss sehr vorsichtig sein“, so Wu. Dennoch müssten beide Seiten über die Risiken der Technologie sprechen und gemeinsam nach Wegen suchen, diese zu begrenzen.
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