Im Wiener Landesgericht für Strafsachen hat der Untreue-Prozess rund um die schier unendliche Eurofighter-Causa begonnen. Auf der Anklagebank sitzen drei Männer – ein ehemaliger Luftfahrt-Manager und zwei Lobbyisten –, die alle Vorwürfe entschieden zurückweisen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft dem Trio Beihilfe zur Untreue vor. Sie sollen einem bereits 2019 in Deutschland verurteilten Ex-Manager des Rüstungskonzerns EADS (heute Airbus) geholfen haben, eine Schwarzgeld-Kassa zu füllen. Laut Anklage, über die unter anderem die „Salzburger Nachrichten“ berichten, beläuft sich der Schaden für den Konzern auf unglaubliche 65 Millionen Euro. Dieses Geld soll mittels Scheinrechnungen von EADS an die Firma Vector Aerospace LLP geflossen sein. Die WKStA bezeichnet dieses Unternehmen als Scheinfirma ohne echte Geschäftstätigkeit, die einzig dem Zweck diente, Gelder abzuzweigen.
Verteidigung spricht von „Hetzjagd“
Die Verteidiger der Angeklagten holten zum Gegenschlag aus. Sie kritisierten die Ermittlungen scharf und bezeichneten sie als fehlerhaft und politisch motiviert. Norbert Wess, der Anwalt des ehemaligen Luftfahrt-Managers, sprach von einer regelrechten „Hetzjagd“ nach der Kaufentscheidung für die Eurofighter, wie oe24.at berichtet. Der Ermittlungsaufwand sei so enorm gewesen, dass am Ende einfach ein Ergebnis präsentiert werden musste. Ein anderer Verteidiger mutmaßte, die Oberstaatsanwaltschaft hätte einen Reputationsschaden erlitten, wäre es nicht zur Anklage gekommen.
Die Verteidigung argumentiert, dass dem EADS-Konzern überhaupt kein Schaden entstanden sei. Vielmehr sei die Gründung der Vector Aerospace eine interne Entscheidung im Eurofighter-Konsortium gewesen, um die umfangreichen Gegengeschäfte abzuwickeln und zu kontrollieren.
„Ich bin kein dubioser Waffenlobbyist“
Auch die Angeklagten selbst meldeten sich zu Wort und wehrten sich gegen die Darstellungen in der Anklage. „Ich bin kein dubioser Waffenlobbyist, ich bin Industrieberater“, stellte einer der Beschuldigten klar. Ein anderer betonte, er sei ein „Technik-Freak“ und von der Überlegenheit der Jets überzeugt gewesen, aber in die vorgeworfenen Machenschaften nicht involviert gewesen.
Der Prozess, der die seit über einem Vierteljahrhundert andauernde Eurofighter-Saga juristisch weiter aufarbeitet, ist vorerst bis Ende März angesetzt. Ob er endlich Licht in das Dunkel der dubiosen Zahlungsflüsse bringen wird, bleibt abzuwarten.
Quellen: oe24.at, diepresse.com, puls24.at, bvz.at, sn.at
Credits: APA
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