EU-Kommission postet Aluhut-Meme gegen Kritiker – und erntet das Gegenteil von Zustimmung

EU-Kommission postet Aluhut-Meme gegen Kritiker – und erntet das Gegenteil von Zustimmung

Die EU-Kommission wollte mit einem Meme Desinformation bekämpfen. Stattdessen lieferte sie selbst ein Paradebeispiel dafür, wie man mit einer einzigen Social-Media-Aktion das Vertrauen in eine Institution massiv beschädigt.

Das Meme: Paris als Vorher-Nachher-Katastrophe

Die EU-Kommission postete auf X ein zweigeteiltes Bild der Pariser Champs-Élysées. Oben: der romantische Boulevard mit Eiffelturm, Paris in seiner ganzen Pracht. Unten: dieselbe Straße – verwahrlost, verrammelt, mit Schildern wie „Hohe Steuern“, „Überregulierung“, „Brain Drain“ und „Einst großartig. Jetzt ignoriert.“ Dazu platziert: ein Meme-Typ mit Aluhut und Sonnenbrille, der scheinbar diesen „wahren Zustand“ Europas erkennt.

Die Botschaft Brüssels war unmissverständlich: Wer Europa kritisiert, trägt bildlich gesprochen einen Aluhut. Das ist alles Lüge, böse Narrative, digitale Stimmungsmache. Wie Blick.ch berichtete, war die Reaktion der Nutzer eindeutig: schallendes Gelächter – und echte Wut.

Nutzer antworten mit echten Fotos

Was dann folgte, dürfte die Social-Media-Abteilung der EU-Kommission nicht erwartet haben. Wie Blick.ch berichtete, fluteten Nutzer die Kommentarspalte mit Fotos – echten Fotos. Verwahrloste Obdachlosencamps in Paris und Brüssel. Bilder von Stadtvierteln, die mit dem romantischen Postkartenparis wenig gemein haben. Ein Nutzer kommentierte trocken: „Ihr habt den Bezug zur europäischen Öffentlichkeit völlig verloren.“

Die Kommission hatte versucht, Europakritik als Verschwörungstheorie zu rahmen – und bekam als Antwort die Realität zurückgeworfen, die viele Bürger täglich erleben.

Nicht der erste Kommunikations-Fauxpas

Der Aluhut-Post reiht sich in eine Reihe fragwürdiger EU-Kommunikationsmaßnahmen ein. Wie journalistenwatch.com berichtete, hatte die EU-Kommission im gleichen Zeitraum großflächige Plakatkampagnen in europäischen Hauptstädten mit dem Slogan „Demokratie. Schütze, was zählt“ und „Freie Presse“ geschaltet – ausgerechnet während Verfahren nach dem Digital Services Act gegen kritische Plattformen liefen und der EU-Erweiterungskommissar Desinformation-Initiativen vorantrieb, die Medienkritiker als Zensurwerkzeuge bezeichnen. Wie nachdenkseiten.de kommentierte, wirkte das als „dreiste Überrumpelung und Machtdemonstration.“

Das eigentliche Problem

Die EU-Kommission hat ein strukturelles Kommunikationsproblem: Sie versucht, Kritik durch Framing zu entwaffnen, statt sie inhaltlich zu beantworten. Ein Aluhut-Meme ist keine Antwort auf die Frage, warum Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa weiterhin bei über 20 Prozent liegt, warum Regulierungskosten kleine Unternehmen erdrücken oder warum das Vertrauen in EU-Institutionen laut Eurobarometer seit Jahren sinkt. Es ist eine Delegitimierung von Kritikern – und genau das, was die Kommission vorgibt zu bekämpfen.

Credits: APA

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