Trotz eines ambitionierten Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten, das den Kauf von US-Energieprodukten im Wert von 750 Milliarden Dollar vorsieht, hat die EU ihre Importe von US-Öl und -Gas in den letzten Monaten reduziert. Dies wirft Fragen zur Realisierbarkeit des Deals und zu den zugrunde liegenden wirtschaftlichen und politischen Faktoren auf.
Rückgang der Importe
Wie die Financial Times berichtet, sind die Ausgaben der EU für US-Öl und -Gas in den letzten vier Monaten um sieben Prozent gesunken. Zwischen September und Dezember 2025 beliefen sich die Importe auf 29,6 Milliarden Dollar, was laut dem Energieberatungsunternehmen Kpler auf fallende Energiepreise zurückzuführen ist. Auf das gesamte Jahr hochgerechnet, lagen die Importe bei 73,7 Milliarden Dollar – weniger als ein Drittel des angestrebten Ziels.
Unrealistische Zielvorgaben
Gillian Boccara, Senior Director bei Kpler, bezeichnete das Abkommen als „unrealistisch“. Die Entscheidungen über Energieimporte würden primär von ökonomischen Faktoren wie Frachtkosten und Margen beeinflusst, nicht von politischen Zusagen. Selbst wenn die EU alle russischen Gaslieferungen durch US-Flüssigerdgas (LNG) ersetzen würde, könnten laut Argus Media nur etwa 29 Milliarden Dollar jährlich erreicht werden – ein Bruchteil des vereinbarten Ziels1.
Infrastrukturprobleme und Marktbedingungen
Ein weiteres Hindernis für die Umsetzung des Deals ist die unzureichende Infrastruktur. Laut Martin Senior von Argus Media müsste die EU ihre Importkapazitäten um mehr als 50 Prozent erhöhen, während die USA ihre Exportkapazitäten verdoppeln müssten, um die vereinbarten Mengen zu liefern. Zudem wird erwartet, dass die Gaspreise in den kommenden Jahren weiter sinken, was die Erreichung der Zielvorgaben zusätzlich erschwert.
Politische Dimensionen
Das Abkommen wurde 2025 zwischen dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geschlossen. Es sollte die Energieabhängigkeit Europas von Russland reduzieren und die Handelsbilanz der USA verbessern. Kritiker sehen darin jedoch vor allem einen politischen Schachzug, um Zeit zu gewinnen und eine direkte Konfrontation mit den USA zu vermeiden.
Quelle: Die Weltwoche
Credits: APA
Neueste Kommentare