EU-Herbstprognose: Österreichs Wirtschaft unter Druck

EU-Herbstprognose: Österreichs Wirtschaft unter Druck

Brüssel/Wien – Die jüngste EU-Herbstprognose 2025 zeigt, dass Österreichs Wirtschaft vor großen Herausforderungen steht. Mit einem prognostizierten Wachstum von 0,9 Prozent für 2026 liegt das Land im unteren Drittel der EU-Staaten. Nur Irland (0,2 Prozent) und Italien (0,8 Prozent) schneiden schlechter ab. Zum Vergleich: Malta führt mit einem Wachstum von 3,8 Prozent, gefolgt von Polen mit 3,5 Prozent. Der EU-Durchschnitt liegt bei 1,4 Prozent, die Eurozone wird voraussichtlich um 1,2 Prozent wachsen.

Budgetdefizit bleibt Problemzone

Neben dem schwachen Wirtschaftswachstum steht Österreich auch beim Budgetdefizit unter Druck. Für 2025 wird ein Defizit von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwartet, deutlich über der erlaubten EU-Grenze von 3 Prozent. Zwar soll das Defizit 2026 leicht auf 4,1 Prozent sinken, jedoch wird für 2027 wieder ein Anstieg auf 4,3 Prozent prognostiziert. Die EU-Kommission hat daher ein Defizitverfahren gegen Österreich eingeleitet. Ziel ist es, das Defizit bis 2028 unter die 3-Prozent-Marke zu senken.

Der Rat der Europäischen Union hat Österreich klare Vorgaben gemacht: Die nominale Wachstumsrate der Nettoausgaben darf 2025 maximal 2,6 Prozent betragen, 2026 und 2027 jeweils 2,2 Prozent. Diese Maßnahmen sollen die Haushaltsdisziplin stärken und langfristig die finanzielle Stabilität sichern.

Inflation über EU-Durchschnitt

Auch bei der Inflation liegt Österreich über dem EU-Schnitt. Für 2025 wird eine Teuerungsrate von 3,5 Prozent erwartet, während der EU-Durchschnitt bei 2,5 Prozent liegt. Bis 2027 soll die Inflation in Österreich auf 2,2 Prozent sinken. Dennoch bleibt die Belastung für Haushalte und Unternehmen hoch, insbesondere durch steigende Energiepreise und Gebühren. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hebt hervor, dass die Dienstleistungsinflation weiterhin ein zentraler Treiber bleibt.

Forderung nach Bürokratieabbau

Europaministerin Claudia Plakolm (ÖVP) betonte in Brüssel die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zu stärken. „Unsere Unternehmen sind stark exportorientiert. Wir müssen Bürokratie abbauen und spürbare Entlastungen schaffen, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen“, erklärte sie. Der Fokus liege auf einer ganzheitlichen Betrachtung des Wirtschaftsstandorts.

Experten sehen strukturelle Schwächen

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und die OeNB weisen auf strukturelle Probleme hin, die das Wachstum hemmen. Dazu zählen hohe Lohnstückkosten, eine schwache Exportleistung und die Belastung durch Energiepreise. Die Industrie, insbesondere der Maschinen- und Fahrzeugbau, leidet unter der globalen Konkurrenz. Gleichzeitig bleibt der private Konsum verhalten, was die gesamtwirtschaftliche Erholung zusätzlich bremst.


Quellen: oe24.atORFWIFOOeNBRat der Europäischen Union.
Credits: APA

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