Bei der Präsentation des ESC-Begleitprogramms im Naturhistorischen Museum Wien unterlief Vizekanzler Andreas Babler ein historisch schwerer Fauxpas – und das Ministerium versuchte die Sache danach still zu korrigieren.
Der Sager, der aufhorchen ließ
Es war eine Pressekonferenz, die eigentlich gute Stimmung verbreiten sollte. Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) präsentierte gemeinsam mit der interimistischen ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und NHM-Generaldirektorin Katrin Vohland das kulturelle Begleitprogramm für den Eurovision Song Contest im Mai in Wien.
Doch in seinen Eröffnungsworten passierte Babler ein bemerkenswerter Fehler. Wie oe24 berichtete, sagte er wörtlich: „United by Music – diese vereinigende Kraft durch Freude, Offenheit und Vielfalt, das ist die wunderschöne Idee des europäischen Song Contests.“
NS-Organisation gleichen Namens
Das Problem: „Kraft durch Freude“ war nicht nur eine poetisch klingende Wendung – es war auch der Name einer der größten Massenorganisationen des NS-Regimes. Die gleichnamige nationalsozialistische Organisation organisierte unter der Hitler-Diktatur Freizeitprogramme für die Bevölkerung und diente der ideologischen Formung der sogenannten Volksgemeinschaft. Die historische Bedeutung der Formel ist in Deutschland und Österreich weithin bekannt.
Stille Korrektur auf der Ministeriumshomepage
Besonders brisant: Das Ministerium versuchte laut oe24 im Nachhinein, den Sager zu entschärfen. Während das YouTube-Video der Veranstaltung auf der Ministeriumshomepage die Originalformulierung weiterhin zeigt, wurde das schriftlich wiedergegebene Zitat auf der gleichen Seite stillschweigend umgeschrieben. Dort heißt es nun: „United by music: Vereint durch Freude, Offenheit und Vielfalt – das ist die wunderschöne Idee des ESC.“ Der Begriff „Kraft durch Freude“ wurde also schlicht gestrichen – ohne Hinweis auf die Änderung.
FPÖ nutzt die Gelegenheit
Die FPÖ ließ die Gelegenheit naturgemäß nicht ungenutzt. Generalsekretär Christian Hafenecker bezeichnete den Sager laut oe24 als „Nabelschau von Bablers dürftigen intellektuellen Fähigkeiten“ und legte nach: Ausgerechnet der SPÖ-Chef, der bei jeder Gelegenheit politische Mitbewerber mit der „Nazi-Keule“ konfrontiere und überall Rechtsextremismus wittere, habe nun selbst einen Begriff verwendet, der eine nationalsozialistische Massenorganisation bezeichnet habe.
Eine Stellungnahme des Ministeriums zu dem Vorfall war zunächst nicht zu erhalten. Es gilt die Unschuldsvermutung – in diesem Fall handelt es sich um einen sprachlichen Fehler, nicht um eine politische Absicht.
Credits: APA
Neueste Kommentare