Der am Mittwoch in Madrid ermordete frühere ukrainische Spitzenpolitiker Andriy Portnov (51) traf wenige Tage vor seinem Tod offenbar in Kiew mit Präsident Wolodymyr Selenskyj, dem Leiter des Präsidentenbüros Andrij Jermak sowie dessen Stellvertreter Oleh Tatarow zusammen. Dies behauptet der ukrainische Parlamentsabgeordnete Olexandr Dubinsky. Wie exxtra24 berichtet hat, lebte Portnov auch monatelang in Perchtoldsdorf bei Wien.
Demnach habe das Treffen die Vorbereitung der kommenden Präsidentschaftswahl in der Ukraine zum Thema gehabt. Andriy Portnov, ein früherer Vertrauter des 2014 gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowytsch, sei mit sensiblen Aufgaben betraut worden: Laut Dubinsky sollte er Wege finden, um rechtliche Hürden für mögliche Gegenkandidaten aufzubauen und deren Teilnahme zu verhindern, berichten mehrere ukrainische Medien.
Darüber hinaus habe Portnov Strategien entwickeln sollen, um Stimmen von nicht registrierten Wählern, verstorbenen Personen, vermissten Soldaten und Auslandsukrainern („tote Seelen“) für Selenskyj nutzbar zu machen, so die Anschuldigungen.
Informelle Kontakte mit weiteren Politikern
Neben den offiziellen Gesprächen soll Andriy Portnov auch ein informelles Treffen mit dem „Diener des Volkes“-Abgeordneten Maksym Buschanskyj abgehalten haben. Kurz nach seiner Rückkehr nach Spanien wurde Portnov in Madrid erschossen. Ein Motorradfahrer richtete den Ex-Politiker direkt bei dessen Mercedes mit fünf Schüssen hin und flüchtete.
Dubinsky, selbst eine umstrittene Figur in der ukrainischen Politik, äußert den Verdacht, dass das Schweigen von Selenskyj, Jermak, Tatarow und Buschanskyj zu Portnovs Tod darauf zurückzuführen sei, dass sie die Treffen mit ihm vertuschen wollten. Er kündigte an, die Informationen an spanische Journalisten und Strafverfolgungsbehörden weiterzugeben, mit dem Ziel, die Beteiligten bei EU-Reisen zu befragen – da sie keine diplomatische Immunität besitzen.
Bekanntlich steht die Ukraine noch unter Kriegsrecht und die Durchführung regulärer Wahlen gegenwärtig ausgesetzt ist, allerdings mit Beginn einer Waffenruhe nicht mehr zu verhindern sein. Portnovs Kontakte zu hochrangigen Regierungsvertretern kurz vor seiner Ermordung werfen deshalb politisch brisante Fragen auf – insbesondere, da Portnov früher als Hintermann juristischer Manöver im Dienste des prorussischen Lagers galt.
Ob die spanischen Behörden der Spur nachgehen, ist noch unklar. Die ukrainische Regierung äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen oder zum Tod Portnovs. Auch in Österreich schweigen die Behörden zu dem Fall, obwohl Andriy Portnov monatelang in Perchtoldsdorf gewohnt und dort auch ein Unternehmen gegründet hat – zumindest wäre interessant, warum der aus Russland kommende Ex-Politiker eine Aufenthaltsgenehmigung in Österreich erhalten hat.

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