Engelhorn nennt Österreich „widerlich“ – die Fakten sagen was anderes

Engelhorn nennt Österreich „widerlich“ – die Fakten sagen was anderes

Marlene Engelhorn hat wieder ein Video gedreht. Die Botschaft: Österreich ist rassistisch. Der Auslöser: das Kopftuchverbot für Mädchen unter 14. Bevor man sich da mitreißen lässt, schauen wir uns lieber an, was im Gesetz wirklich steht. Und was anderswo auf der Welt gilt, wo garantiert keiner das Wort „Toleranz-Vorbild“ in den Mund nimmt.

Erstmal: Das stimmt so nicht

Im Video eröffnet Engelhorn mit „Österreich ist so rassistisch“ und behauptet, muslimische Mädchen würden vom Unterricht ausgeschlossen. Ist schlicht falsch. Bei einem Verstoß gibt’s zuerst ein Gespräch zwischen Schule und Eltern, erst bei fortgesetzter Weigerung drohen Strafen zwischen 150 und 800 Euro – und zwar den Eltern, nicht dem Kind. Kein Ausschluss, keine Suspendierung, kein Drama im Klassenzimmer. Wer das trotzdem so erzählt, hat entweder nicht recherchiert oder es interessiert ihn nicht. Bei über 100.000 Followern ist beides keine Kleinigkeit.

Dann legt sie noch nach: Österreichs Gewaltbereitschaft hänge mit einer „unaufgearbeiteten Nazi- und Faschismusvergangenheit“ zusammen, man sei „widerliche RassistInnen“, das Land „eine Schande“. Das ist keine Kritik an einem Gesetz mehr. Das ist ein Rundumschlag mit Nazi-Vergleich als Zugabe.

Worum’s eigentlich geht

Kinder unter 14. Vor der Pubertät. Die noch nicht in der Lage sind, eine so weitreichende religiöse Entscheidung wirklich selbst und ohne Druck aus der Familie zu treffen. Das ist der Kern. Nicht Musliminnen als Gruppe an den Pranger stellen, sondern kleine Mädchen davor schützen, sich mit neun oder zehn schon zu verhüllen, weil’s von zu Hause so vorgegeben wird. Das mit Rassismus zu verwechseln, ist ungefähr so, als würde man Jugendschutz mit Zensur gleichsetzen.

Frankreich macht’s viel härter

Wer wissen will, wie ein wirklich strenges Kopftuchverbot aussieht, muss nur nach Frankreich schauen. Seit 2004 sind dort sämtliche sichtbaren religiösen Symbole an Schulen verboten – Kopftuch, Kreuz, Kippa, alles. Nicht nur bis 14, sondern bis zum Schulabschluss. Über 4.700 Verstöße allein im letzten Schuljahr, meistens wegen Abayas. Und rund drei Viertel der Franzosen finden das gut. Wenn Österreichs deutlich zahmere Regel – nur bis 14, keine Strafe fürs Kind, erst mal reden statt strafen – schon rassistisch sein soll: Was ist dann bitte Frankreich? Eine Frage, die im Engelhorn-Video praktischerweise gar nicht erst auftaucht.

Selbst die Türkei ist bei Kindern strenger

Besonders schön: Der Schweizer Anwalt und Ex-Muslim Emrah Erken hat Engelhorn auf X öffentlich widersprochen. Sein Kommentar: „Liebe Österreicherinnen und Österreicher, lasst euch von dieser woke-linken Intelligenzbestie nichts einreden!“ Sein Argument: In der Türkei – mehrheitlich muslimisch, notabene – dürfen Mädchen erst ab der fünften Klasse überhaupt ein Kopftuch tragen. Mit Rassismus habe das österreichische Gesetz „rein gar nichts“ zu tun, so Erken. Wenn selbst ein muslimisch geprägtes Land striktere Altersgrenzen setzt als wir, wird’s schwierig, uns Rassismus vorzuwerfen.

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Und was macht man selbst, wenn man dort Urlaub macht?

Bleiben wir gleich bei der Türkei, denn dorthin fliegen jährlich Millionen Österreicher und Deutsche in den Urlaub – ganz freiwillig, meistens sogar sehr gerne. Wer dort die Blaue Moschee oder die Hagia Sophia besuchen will, für den gelten klare Regeln: Frauen müssen ihr Haar vollständig bedecken, Schultern und Knie dürfen nicht sichtbar sein, wer kein eigenes Tuch dabeihat, bekommt eines am Eingang gereicht oder ausgeliehen. Wer sich nicht daran hält, kommt schlicht nicht rein. Das nimmt praktisch jeder Tourist klaglos hin, macht brav das Kopftuch um, zieht die Schuhe aus, fotografiert nicht ungefragt und geht danach zufrieden weiter Baklava essen. Niemand postet danach ein Video mit dem Titel „Die Türkei ist so rassistisch, weil sie mir vorschreibt, was ich anziehen muss.“ Merkwürdig nur, dass genau dasselbe Prinzip – sich an die Regeln des Ortes halten, an dem man sich gerade befindet – zum Skandal wird, sobald es der eigene Staat von den eigenen Bürgern verlangt, und das auch noch in einer deutlich milderen Form.

Am Ende bleibt eine simple Frage

Warum soll es Rassismus sein, wenn Österreich Kinder schützen will – während dieselbe Anpassung an lokale Regeln, im Urlaub freiwillig akzeptiert, niemandem auch nur einen Gedanken wert ist? Wer in der Türkei vor der Blauen Moschee brav das Kopftuch anlegt, gilt als höflicher Gast. Wer in Österreich sagt, Kinder sollen erst ab 14 selbst über ein Kopftuch entscheiden, gilt bei Engelhorn als Rassist. Diese Rechnung geht sich einfach nicht aus.

Credits: Martin Kraft – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=147294900

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