Zehn Jahre nach dem historischen Asyljahr 2015 zeichnet sich eine neue Realität in Österreichs Einbürgerungsstatistik ab. Die Zahlen steigen, doch vor allem eine Gruppe sorgt für eine deutliche Verschiebung: Menschen aus Syrien. Sie sind mittlerweile die größte Gruppe unter den neu eingebürgerten Österreichern und haben damit eine Entwicklung eingeleitet, die das Land nachhaltig verändert.
Syrer auf Rekordkurs bei Einbürgerungen
Ein Jahrzehnt ist vergangen, seit 2015 eine Welle von Asylanträgen das Land erreichte. Nun ist für viele die Frist für einen Staatsbürgerschaftsantrag abgelaufen. Wer seit zehn Jahren rechtmäßig im Land lebt und Kriterien wie Einkommen, Deutschkenntnisse und Unbescholtenheit erfüllt, kann den österreichischen Pass beantragen.
Die aktuellen Zahlen, die exxpress.at berichtet, zeigen einen extremen Anstieg. Waren es 2013 noch 83 Syrer, die eingebürgert wurden, so explodierte diese Zahl bis 2024 auf 2.241. Und der Trend setzt sich fort: Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 erhielten laut Statistik Austria bereits 2.080 Syrer die Staatsbürgerschaft. Das entspricht fast jeder fünften Einbürgerung im Inland (19,1 Prozent). Damit überholen Syrer erstmals alle anderen Nationen.
Politik alarmiert: FPÖ fordert Blockade
Die politische Debatte um die Einbürgerungen ist längst entbrannt. Bereits vor einem Jahr warnte die FPÖ vor den Folgen des Jahres 2015. FPÖ-Chef Herbert Kickl forderte damals eine Verlängerung der Wartefrist für die Staatsbürgerschaft von zehn auf 15 Jahre, da Asyl nur „Schutz auf Zeit“ sein dürfe.
Inzwischen hat die Partei ihre Forderung verschärft und verlangte im Nationalrat eine komplette Sperre des Staatsbürgerschaftszugangs für Asylberechtigte. Ein solcher „Systemfehler“, bei dem aus temporärem Schutz eine dauerhafte Staatsbürgerschaft wird, müsse korrigiert werden. Der Antrag scheiterte zwar am Widerstand der Koalitionsparteien, die auf strenge Einzelfallprüfungen und eines der restriktivsten Staatsbürgerschaftsrechte Europas verwiesen, doch das Thema bleibt politisch hochbrisant.
Die nächste Welle steht erst bevor
Die aktuellen Zahlen sind wohl erst der Anfang. Die Daten des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und der Statistik Austria zeigen, dass in den Jahren nach 2015 Zehntausende weitere positive Asylbescheide erteilt wurden. Allein 2016 erhielten über 15.500 Syrer Asyl, 2017 kamen fast 12.000 weitere hinzu. Diese Personen erreichen erst in den Jahren 2027 und 2028 die Zehn-Jahres-Marke für einen Einbürgerungsantrag. Experten erwarten daher, dass der Höhepunkt der Einbürgerungen von Syrern und auch Afghanen noch bevorsteht.
Asien überholt Europa
Die Entwicklung spiegelt eine tiefgreifende geografische Verschiebung wider. Wie exxpress.at analysiert, kamen Einbürgerungen früher mehrheitlich aus europäischen Drittstaaten. Diese Zahlen sind stark rückläufig. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Einbürgerungen aus asiatischen Ländern seit 2021 mehr als verdoppelt. Asien hat damit Europa als wichtigste Herkunftsregion für neue Staatsbürger abgelöst. Neben Syrien tragen dazu vor allem steigende Zahlen aus Afghanistan und dem Iran bei.
Quellen: exxpress.at, diepresse.com, statistik.at, integrationsfonds.at
Credits: APA
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