Durchwachsenes Zeugnis: Österreicher sehen ÖVP und SPÖ als größte Reformbremser

Durchwachsenes Zeugnis: Österreicher sehen ÖVP und SPÖ als größte Reformbremser

Versprochen war viel. Geliefert wurde wenig. Die SPÖ-ÖVP-NEOS-Koalition regiert nun seit einigen Monaten – und laut einer aktuellen Umfrage hat die Bevölkerung bereits ein klares Bild davon, wo die Blockade sitzt.

ÖVP vorn, SPÖ dicht dahinter

Wie heute.at berichtete, hat das Meinungsforschungsinstitut Unique Research im Auftrag von „Heute“ 500 Österreicher befragt, welche Regierungspartei am meisten dazu beiträgt, dass Reformen nur langsam oder gar nicht vorankommen – Mehrfachnennungen waren möglich, Schwankungsbreite ±4,4 Prozent. Das Ergebnis ist eindeutig: 40 Prozent der Befragten nennen die ÖVP als größten Reformbremser innerhalb der Koalition, gefolgt von der SPÖ mit 36 Prozent und den NEOS mit 25 Prozent.

Je nach Wählergruppe ein anderes Bild

Hinter diesen Gesamtzahlen stecken erwartbare, aber auch überraschende Verschiebungen. Wie heute.at berichtete, sehen FPÖ-Wähler vor allem die SPÖ als stärksten Verhinderer (51 Prozent), gefolgt von ÖVP (48) und NEOS (43). Bemerkenswert: Immerhin 25 Prozent der FPÖ-Wähler attestieren der Regierung, Reformen voranbringen zu wollen – ein für Oppositionssympathisanten ungewöhnlich hoher Wert.

Bei ÖVP-Wählern landet die SPÖ ebenfalls auf Platz eins der Blockierer-Liste (49 Prozent), die eigene Partei hingegen nur bei 22 Prozent. Bei SPÖ-Wählern dreht sich das Bild naturgemäß um. Interessant: Auch 23 Prozent der NEOS-Fans sehen die eigene Partei nicht gerade als Motor des Fortschritts.

Meinungsforscher überrascht vom Ergebnis

Für Unique-Research-Chef Peter Hajek liefert die Umfrage ein demoskopisch bemerkenswertes Ergebnis. Wie heute.at berichtete, zeigt sich Hajek davon überrascht, dass immerhin rund 20 Prozent der Befragten der Regierung keine interne Blockadehaltung zuschreiben – und weitere rund 20 Prozent keine Angabe machen. „Konkret bedeutet dies, dass ,nur‘ etwa sechs von zehn Österreicherinnen und Österreichern der Bundesregierung mangelnde Reformbereitschaft zuschreiben. Ein derartiges Resultat war im Vorfeld der Umfrage nicht zu erwarten“, so Hajek. Sein Fazit: Das negative Image der Traditionsparteien ÖVP und SPÖ färbe dabei auch auf den Juniorpartner NEOS ab.

Kontext: Koalition unter Druck

Die Dreier-Koalition aus SPÖ, ÖVP und NEOS unter Bundeskanzler Christian Stocker, Vizekanzler Andreas Babler und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger steht seit Monaten unter erheblichem Druck: Budgetkrise, Spritpreisstreit und ein stockendes Sparpaket sorgen für anhaltende Debatten. Wie das Unique-Research-Politbarometer für Mai 2026 zeigt, liegt die FPÖ in den Sonntagsfragen weiterhin deutlich voran – die Regierungsparteien verloren in letzter Zeit teils weiter an Zuspruch.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x