In Österreich ist eine Debatte über journalistische Standards und Medienethik entbrannt. Im Mittelpunkt steht die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF über die verstorbene Ärztin Dr. Lisa-Maria Kellermayr. Im Rahmen mehrerer ORF-Beiträge wurde eine Mitarbeiterin des Senders als „enge Freundin“ von Dr. Kellermayr vorgestellt.
Aussagen im Gerichtsverfahren
Im Zuge eines Gerichtsverfahrens, das sich mit dem Tod von Dr. Kellermayr beschäftigte, wurde diese ORF-Mitarbeiterin als Zeugin vernommen. Laut Berichten des Online-Portals Report24, das die Verhandlung beobachtete, erklärte die Mitarbeiterin unter Wahrheitspflicht, sie habe Dr. Kellermayr nur zweimal persönlich getroffen. Dies steht im Gegensatz zu der wiederholten Darstellung in mehreren ORF-Sendungen, in denen sie als nahe Vertraute präsentiert wurde. Die Situation wurde unter anderem dadurch hervorgerufen, dass die Funktion der Frau als ORF-Mitarbeiterin nicht offengelegt wurde.
Politische Reaktionen und Forderungen
Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) nahm den Vorfall zum Anlass, Kritik an der Berichterstattung des ORF zu üben. Mediensprecher Christian Hafenecker erklärte in einer OTS-Aussendung, dass es sich um einen „Fake-News-Skandal ersten Ranges“ handle und warf dem Rundfunk vor, eine Manipulationsmaschinerie zu betreiben. Die FPÖ erneuerte in diesem Zusammenhang ihre Forderung nach einer tiefgreifenden Reform des ORF bis hin zur Abschaffung der Rundfunkgebühren.
Resonanz und öffentliche Diskussion
Die Ereignisse haben eine breite mediale und gesellschaftliche Debatte ausgelöst. Verschiedene alternative Medien, darunter Report24, griffen den Vorfall auf und kritisierten, dass die große Mehrheit der etablierten Medien nicht über den Fall berichtet habe. Der Vorwurf lautet, dass die Berichterstattung rund um Dr. Kellermayr teilweise emotionalisiert und die Distanz zwischen Quelle und dargestellter Person im Bericht nicht ausreichend kenntlich gemacht wurde.
Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage nach Ausgewogenheit, Transparenz und Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Berichterstattung. Der ORF selbst hat sich zu den konkreten Vorwürfen bisher nicht öffentlich geäußert. Die Debatte wird sowohl in politischen als auch in medienethischen Kreisen weitergeführt.
Credits: APA
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