Die Fantasiewelt der NEOS: Alle schuld an Umfragewerten, nur nicht die NEOS selbst

Die Fantasiewelt der NEOS: Alle schuld an Umfragewerten, nur nicht die NEOS selbst

Es muss ein herrlicher Ort sein, diese politische Welt, in der die NEOS zu leben scheinen. Ein Ort, an dem die eigenen Umfragewerte zwar im Keller sind, die Verantwortung dafür aber stets bei anderen liegt. Es ist eine Welt, in der die Gesetze der politischen Schwerkraft aufgehoben scheinen und Selbstreflexion eine zu vernachlässigende Tugend ist.

Zuerst betritt Parteichefin Beate Meinl-Reisinger die Bühne dieser Realitätsverweigerung. Auf die schwache Performance der Koalition in einem Interview bei FELLNER! Live auf oe24.at angesprochen, das Anfang Dezember erschien, lautet die Antwort sinngemäß: „Das liegt nicht an uns.“ Ihre Umfragewerte seien stabil, die Wähler zu 97 Prozent zufrieden. Diese Zahl, so präzise wie fantastisch, wirkt weniger wie eine seriöse Analyse und mehr wie ein verzweifelter Versuch, sich selbst Mut zuzusprechen. Es ist die politische Variante des Pfeifens im Walde – nur dass der Wald die Realität der Wählergunst ist, und die NEOS scheinen sich darin verlaufen zu haben.

Kurz darauf folgt ihr der Staatssekretär Sepp Schellhorn und liefert die nächste Volte in dieser bemerkenswerten Choreografie der Schuldabweisung. Nicht die eigene Politik, nein, die Medien seien schuld am Umfragetief. Eine „Schlagzeilenlogik“ erdrücke die angebliche Lieferperformance der Regierung. Doch damit nicht genug. Als wäre die pauschale Medienschelte nicht schon abgedroschen genug, wird auch noch dem Volk selbst der schwarze Peter zugeschoben: Der Österreicher sei von Natur aus „mieselsüchtig“.

Diese Argumentationskette ist ebenso durchschaubar wie entlarvend. Wenn die eigene Botschaft nicht ankommt, liegt es nicht an der Qualität der Botschaft oder ihrer Überbringer, sondern am schlecht gelaunten Empfänger und den böswilligen Boten. Es ist eine intellektuelle Bankrotterklärung, die das Grundprinzip demokratischer Verantwortung ad absurdum führt. Politik, die sich derart von der öffentlichen Wahrnehmung entkoppelt, verliert nicht nur an Zustimmung, sondern auch an Glaubwürdigkeit.

Die Ironie ist kaum zu übersehen: Eine Partei, die angetreten ist, um Transparenz und Eigenverantwortung zu predigen, flüchtet sich bei erstem Gegenwind in die bequemsten aller Ausreden. Anstatt die Gründe für die Unzufriedenheit zu analysieren und die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen, wird ein Zerrbild von nörgelnden Bürgern und unfairen Journalisten gezeichnet.

Vielleicht wäre es für die NEOS an der Zeit, ihre selbst erschaffene Fantasiewelt zu verlassen und sich der unbequemen Realität zu stellen. Echte politische Stärke zeigt sich nicht im Verteilen von Schuldzuweisungen, sondern in der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen – gerade dann, wenn es wehtut. Alles andere ist keine Politik, sondern lediglich eine gut inszenierte Vorstellung.

Credits: APA

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