Während René Benko in Untersuchungshaft sitzt und bereits dreimal verurteilt wurde, kommt der nächste Ermittlungsstrang: Die Staatsanwaltschaft München verdächtigt ihn, Millionen von Münchner Bauprojekten systematisch abgezogen zu haben.
„Upstream“, „manuelles Cash-Pooling“ – und ein Staubsauger
Wie die Süddeutsche Zeitung und der ORF unter Berufung auf einen Zwischenbericht der Münchner Staatsanwaltschaft berichten, ermittelt die Behörde nun in einem 18. Strang gegen Benko und weitere Signa-Verantwortliche wegen mutmaßlicher Untreue und Betrugs in dreistelliger Millionenhöhe. Im Zentrum steht die Signa Prime Selection – jene Gesellschaft, in der Benkos wertvollste Immobilienprojekte gebündelt waren. Laut den Ermittlern fungierte sie als Geld-„Staubsauger“: Sie saugte Mittel auf, die Investoren für konkrete Münchner Bauprojekte eingebracht hatten. Interne Notizen und E-Mails von Signa-Managern verwendeten das Wort „Staubsauger“ laut SZ selbst direkt. Das Vorgehen wurde intern auch als „Upstream“ oder „manuelles Cash-Pooling“ bezeichnet.
Fall 1: 120 Millionen Euro vom Münchner Bahnhofplatz
Die deutschen Ermittler verdächtigen Benko und weitere Verantwortliche laut SN.at und VOL.at, beim Projekt Bahnhofplatz München eine Zahlung von 120 Millionen Euro eines bekannten Münchner Immobilienunternehmers zweckwidrig eingesetzt zu haben. Das Geld sollte dem historischen Altbau – dem ehemaligen Hermann-Tietz-Kaufhaus am Bahnhof, das heute eine Bauruine ist – zugutekommen. Stattdessen soll es als „Liquiditätsbaustein“ für die Signa-Gruppe und zur Mitfinanzierung der Übernahme des Londoner Luxuskaufhauses Selfridges verwendet worden sein. Hinzu kommt der Vorwurf, die Hausbank Raiffeisen Bank International (RBI) getäuscht zu haben: Diese soll den Altbau nur unter der Annahme finanziert haben, dass Galeria Karstadt Kaufhof – damals ebenfalls Benko-Konzern – dort als Langzeitmieter einzieht. Ermittlungen laufen seit Mai 2026.
Fall 2: 181 von 187 Millionen Saudi-Geldern verschwunden
Der zweite Tatvorwurf betrifft einen saudi-arabischen Staatsfonds, der laut SN.at und news.at 187 Millionen Euro in das Projekt „Franz“ am Münchner Bahnhofplatz investierte. Noch am Tag des Geldeingangs im März 2022 sollen Signa-Manager knapp 181 Millionen Euro auf ein Konto der Muttergesellschaft Signa Prime Selection weitergeleitet haben – nur sechs Millionen blieben als „Barreserve“ im Projektfonds. Benko soll in dem Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft als „zentraler Entscheider“ hinter allen diesen Vorgängen beschrieben werden.
Benko schweigt, Anwalt verweist auf fehlende Akteneinsicht
Benko-Anwalt Norbert Wess wollte sich laut ORF-Mittagsjournal nicht zu den neuen Ermittlungen äußern – die Staatsanwaltschaft habe bisher keine vollständige Akteneinsicht gewährt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Stand der Verfahren in Österreich
Parallel zu den Münchner Ermittlungen türmt sich der Verfahrensberg in Österreich. Die WKStA bestätigte zuletzt laut ORF insgesamt 17 separate Ermittlungsstränge. Benko wurde im Oktober 2025 in seinem ersten Prozess zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt – wegen einer 300.000-Euro-Schenkung an seine Mutter. Im Dezember 2025 folgte ein zweites Urteil wegen Schädigung von Gläubigerinteressen (15 Monate Bewährung). Beide Urteile sind nicht rechtskräftig. Eine dritte Anklage – die bisher letzte österreichische – wurde im Juni 2026 eingebracht: Benko soll eine Privatstiftung des Investors Hans Peter Haselsteiner mittels einer falschen Garantie um rund fünf Millionen Euro geschädigt haben, wie der ORF berichtet. Auch ein verheimlicht Jagdgewehr im Wert von 80.000 Euro ist Gegenstand dieser Anklage.
Zusätzlich ermittelt die WKStA gegen Ex-SPÖ-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer als früheren Aufsichtsratsvorsitzenden zweier Signa-Gesellschaften wegen Untreue – er soll zwei Vorstandsmitgliedern ungerechtfertigte Abschlagszahlungen von insgesamt zehn Millionen Euro angeordnet haben.
Credits: KI-generiertes Bild
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