Österreichs Bundesregierung warnt vor einer „schleichenden Deindustrialisierung“ und stellt energieintensiven Betrieben ab 2025 einen kräftigen Strompreisbonus in Aussicht. Mit dem geplanten Strompreiskostenausgleichsgesetz (SAG) sollen 150 Millionen Euro jährlich bereitgestellt werden, um Unternehmen mit hohem Energieverbrauch gezielt zu entlasten.
Das Vorhaben ist Teil einer umfassenden Strategie zur Stärkung der heimischen Industrie. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betont die Dringlichkeit der Maßnahme: „Die schleichende Deindustrialisierung muss gestoppt werden. Unser Ziel ist es, Wettbewerbsfähigkeit und industrielle Wertschöpfung in Österreich zu erhalten – und damit Arbeitsplätze, Wohlstand und unseren Sozialstaat langfristig abzusichern.“
Zielgruppe: Energieintensive Betriebe ab 1 GWh Stromverbrauch
Der neue Industriebonus richtet sich an Betriebe mit einem jährlichen Stromverbrauch ab 1 Gigawattstunde (GWh) – also vor allem an Unternehmen, die stark unter gestiegenen Stromkosten infolge des CO₂-Preises leiden. Zwar seien die Preise seit 2022 rückläufig, sie lägen jedoch weiterhin auf einem Niveau, das die internationale Wettbewerbsfähigkeit belaste.
EU-konforme Kompensation gegen „Carbon Leakage“
Laut Wirtschaftsministerium soll die Beihilfe über ein EU-rechtskonformes Kompensationsmodell abgewickelt werden. Dieses sieht eine Beihilfeintensität von bis zu 75 Prozent vor und soll sogenannte indirekte CO₂-Kosten abfedern. Damit wolle man einer Abwanderung von Produktionskapazitäten in Länder mit niedrigeren Umweltauflagen – dem sogenannten „Carbon Leakage“ – entgegenwirken.
Investitionen in Energieeffizienz verpflichtend
Der Industriebonus soll jedoch nicht nur kompensieren, sondern zugleich Impulse für eine nachhaltige Transformation setzen: Förderungen werden künftig an Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen gekoppelt. Damit verbindet die Regierung Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität.
„Wir denken Energiepolitik neu“, so Hattmannsdorfer. „Die Versorgung muss gesichert, die Industrie wettbewerbsfähig und die Energie für alle leistbar bleiben.“
Nächste Schritte
In den kommenden Wochen soll das Gesetzespaket dem Ministerrat vorgelegt werden. Die Regierung sieht das SAG als zentrales Instrument der geplanten Strommarktreform – und als klares Signal an die Industrie, dass der Standort Österreich auch in Zeiten globaler Umbrüche verlässlich bleiben soll.
Credit: APA
Neueste Kommentare