Menschentrauben vor den nicht funktionierenden Bankomaten, verzweifelt auf ihre Mobiltelefone starrende Spanier, auch keine Notrufe sind mehr möglich – nichts geht mehr auf der Iberischen Halbinsel, und das nun schon seit Stunden. Möglicherweise noch in der Nacht sollte der Schaden behoben sein, meint die Führung des größten Energieversorgers.
Die Aufnahmen und Meldungen aus Spanien und Portugal zeigen drastisch, wie schnell unsere gesamte Zivilisation auf Null heruntergefahren werden kann: in wenigen Sekunden.
Und nun kursieren schon die ersten Verdächtigungen auf den Social-Media-Plattformen, dass dieser Mega-Blackout gar kein Zufall gewesen sein soll – sondern ein Test. Natürlich ist diese schnell auf X verbreitete These nicht zu beweisen.
Aber es gibt ein Projekt des nicht unumstrittenen World Economic Forums (WEF), das ähnliche Szenarien schon seit 2019 durchspielt – das ist Faktum: Cyber Polygon – mit diesem Planspiel will das World Economic Forum gemeinsam mit internationalen Partnern die globale Widerstandskraft gegen Angriffe auf die kritische Infrastruktur – eben auch Energieversorger – stärken.
Seit 2019 bringt die Übung Behörden, Unternehmen und IT-Experten zusammen, um reale Angriffsszenarien durchzuspielen und Schwachstellen aufzudecken.
Organisiert wird Cyber Polygon von BI.ZONE, einer Cybersicherheitstochter der russischen Sberbank, in Kooperation mit INTERPOL und dem WEF Centre for Cybersecurity. Das Ziel: den Schutz kritischer Infrastrukturen zu verbessern und die internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung digitaler Bedrohungen zu vertiefen.
Simulation „unter realen Bedingungen“
Die Veranstaltung gliedert sich in zwei Hauptteile: In einem technischen Training simulieren Teams Cyberattacken auf Lieferketten oder digitale Ökosysteme. Parallel dazu diskutieren hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und internationalen Organisationen in einer Konferenz über aktuelle Gefahren und politische Lösungsansätze.
Die Ausgabe 2024, die am 10. und 11. September stattfand, rückte gezielte Angriffe auf Technologieunternehmen in den Fokus. Teilnehmer mussten in Echtzeit auf eine komplexe Attacke auf ein KI-Startup reagieren und dabei forensische Methoden und Bedrohungsanalysen einsetzen. Teile des Programms wurden zudem auf der MENA Information Security Conference in Saudi-Arabien präsentiert.
WEF warnte deutlich
Bereits 2021 verglich der nun aufgrund von Ermittlungen zurückgetretene WEF-Gründer Klaus Schwab in seiner Eröffnungsrede die Gefahr durch Cyberangriffe mit einer Pandemie. Er rief dazu auf, „digitale Antikörper“ in IT-Infrastrukturen zu schaffen, um systemische Risiken einzudämmen. Die rasante Digitalisierung mache robuste Cybersicherheitsstrukturen zur Überlebensfrage moderner Gesellschaften, so Schwab.
Kritik an Cyber Polygon
Trotz seiner erklärten Ziele steht Cyber Polygon auch in der Kritik. Skeptiker vergleichen es mit „Event 201“, einer Pandemie-Übung kurz vor dem COVID-19-Ausbruch, und befürchten, dass solche Szenarien genutzt werden könnten, um stärkere digitale Überwachungssysteme zu legitimieren.
Konkrete Hinweise auf politische Einflussnahme gibt es jedoch nicht – die Veranstalter betonen, die Übung sei ein rein präventives Trainingsprojekt.
Die nächste Ausgabe war für 2025 geplant, ein genaues Datum wurde nicht genannt.
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