Bildungsministerium: 65.000 Euro für vegane Kochausbildung

Bildungsministerium: 65.000 Euro für vegane Kochausbildung

Mehr als 65.000 Euro aus öffentlichen Mitteln flossen seit 2019 an die „Vegane Gesellschaft Österreich“. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung hervor. Das Bildungsministerium betont: Es handle sich nicht um Förderungen, sondern um Bezahlung für erbrachte Leistungen.

65.926,83 Euro in fünf Jahren

Konkret wurden laut Exxpress zwischen Oktober 2019 und Februar 2025 insgesamt 65.926,83 Euro an den Verein bzw. dessen Institution „Vegucation“ ausbezahlt. Die Zahlungen erfolgten über einen Zeitraum von rund fünf Jahren.

Das Bildungsministerium stellt klar: Es handelt sich dabei nicht um klassische Förderungen durch die Zentralstelle, sondern um Entgelte für erbrachte Leistungen an Pädagogischen Hochschulen sowie an höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe und Tourismus.

Wofür wurde bezahlt?

Die Gelder flossen für konkrete Dienstleistungen. Im Detail wurden Gast- und Lehraufträge im Rahmen der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften für „Vegane Küche in der Theorie und Praxis“ abgegolten.

Zudem fielen Vorsitz- und Prüfungsgebühren samt Reisekosten im Rahmen von Zertifikatsprüfungen zur vegetarischen Fachkraft an. Diese Zahlungen entsprechen den üblichen Honoraren für externe Lehraufträge und Prüfungstätigkeit.

Was ist „Vegucation“?

Das Programm „Vegucation“ bietet seit 2014 die Zusatzqualifikation „vegan-vegetarische Fachkraft“ an, die an Tourismusschulen und Schulen für wirtschaftliche Berufe schulautonom geführt werden kann. Wie die Vegane Gesellschaft auf ihrer Website erklärt, haben bereits über 1.000 Schüler absolviert.

Die Zusatzausbildung ist seit 2014 vom Bildungsministerium offiziell anerkannt. Laut Vegconomist wurden 167 Lehrer an 65 Schulen in die pflanzliche Küche eingeführt. Fünf pädagogische Hochschulen bieten die nötigen Weiterbildungen österreichweit an.

EU-Starthilfe und Anerkennung

Das Projekt hatte ursprünglich EU-Förderung erhalten. Von 2012 bis 2014 leistete die EU Starthilfe und förderte das multilaterale Projekt mit insgesamt 350.000 Euro, die auf acht Partner in vier Ländern aufgeteilt wurden.

2016 ernannte die Europäische Kommission das Projekt zur „Success-Story“. Diese Auszeichnungen würdigen Projekte, die sich durch Innovation und Kreativität auszeichnen. 2016 erschien auch das Schulbuch „Die Veggie-Profis“ im Trauner Verlag.

Keine direkten Förderungen

Das Bildungsministerium betont in der parlamentarischen Anfragebeantwortung: Eine direkte Mitfinanzierung in Form von Förderungen durch die Zentralstelle habe es nicht gegeben.

Veranstaltungen des Vereins seien vom Ministerium ebenfalls nicht finanziell unterstützt worden. Auch eine Teilnahme von Ressortvertretern an Veranstaltungen habe nicht stattgefunden.

Kritik: „NGO-Business“ auf Steuerzahlerkosten?

Kritiker sprechen dennoch von einem „NGO-Business“ auf Kosten der Steuerzahler. Sie sehen in den Zahlungen eine indirekte Förderung einer weltanschaulichen Organisation.

Befürworter argumentieren dagegen: Die Vegane Gesellschaft erfülle mit Vegucation eine Bildungsaufgabe, die der Nachfrage entspricht. Die pflanzliche Küche sei längst im Mainstream angekommen – vegane Speisen würden sich größter Beliebtheit erfreuen.

Neue vegetarisch-vegane Kochlehre

Tatsächlich gibt es seit 2025 sogar einen neuen Lehrberuf „Fachkraft für vegetarische Kulinarik“. Wie die Vegane Gesellschaft im Oktober 2025 berichtete, haben sich bereits 17 österreichische Betriebe um Zulassung beworben. Über 100 Interessenten meldeten sich für die Ausbildung.

Die Vegane Gesellschaft wirkt laut eigenen Angaben an der Ausarbeitung des Lehrplans in enger Abstimmung mit dem Ministerium und der Wirtschaftskammer mit. „Wir können unsere Inhalte aus über zehn Jahren Bildungsarbeit direkt einbringen“, erklärte Projektleiterin Lisa Klein.

WKO fördert Lehrlingsseminare

Interessant: Auch die Wirtschaftskammer (WKO) fördert Vegucation-Seminare. Wie die Vegane Gesellschaft 2023 berichtete, erhalten die Kurse „Vegane Küche – Cholesterinfrei, umweltfreundlich und voll im Trend“ sowie „Veganes Backen – Kniffe der rein pflanzlichen Pâtisserie“ eine WKO-Förderung in Höhe von 75 Prozent.

Diese Förderung richtet sich an Lehrlinge, die im Rahmen ihrer Ausbildung die pflanzliche Küche erkunden wollen. Die Kurse werden von Haubenkoch Siegfried Kröpfl geleitet, der das Projekt seit 2012 begleitet.

Die Frage der Neutralität

Die zentrale Diskussion bleibt: Soll der Staat für Bildungsleistungen zahlen, die von einer Organisation mit klarer weltanschaulicher Ausrichtung erbracht werden? Die Vegane Gesellschaft wurde 1999 unter anderem vom VGT-Obmann Martin Balluch gegründet und versteht sich als „Umweltschutzorganisation mit Ernährungsschwerpunkt“.

Das Bildungsministerium argumentiert mit erbrachten Leistungen im Bildungsbereich. Die Zahlungen seien Honorare für Lehrtätigkeit – keine ideologische Förderung. Kritiker sehen darin eine Grauzone zwischen Bildungsauftrag und Weltanschauung.

Credits: APA

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