Babler zwischen Spritpreiskrise, Umfragetief und SPÖ-Krise: Verschläft der Vizekanzler seinen Moment?

Babler zwischen Spritpreiskrise, Umfragetief und SPÖ-Krise: Verschläft der Vizekanzler seinen Moment?

Der Iran-Krieg lässt die Spritpreise explodieren, die Spritpreisbremse der Bundesregierung hängt im parlamentarischen Würgegriff — und der Mann, der als SPÖ-Chef und Vizekanzler die soziale Kompetenz seiner Partei verkörpern sollte, gibt in der Öffentlichkeit kaum ein starkes Bild ab. Genau das kritisiert Die Presse in einem aktuellen Kommentar.

Babler unter Druck — von allen Seiten

Die Lage ist ungemütlich für den SPÖ-Bundesparteichef. In bundesweiten Umfragen liegt die SPÖ laut einer Lazarsfeld-Erhebung für oe24.at bei nur noch 17 Prozent — ein historisches Tief. In der Kanzlerfrage kommt Babler auf magere 7 Prozent, wie oe24.at berichtet — damit liegt er sogar hinter NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Grünen-Chefin Leonore Gewessler, die je 8 Prozent erreichen.

Dabei hatte Babler beim SPÖ-Bundesparteitag am 7. März erst seinen Vorsitz bestätigt bekommen — wenn auch mit nur 81,51 Prozent. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber seinem letzten Antritt, als er noch 88,8 Prozent holte. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil glänzte mit Abwesenheit.

Die Spritpreisbremse: Bablers größte Chance — kaum genutzt

Die Spritpreiskrise wäre für einen Sozialdemokraten eigentlich eine Steilvorlage: steigende Kosten für Arbeitnehmer, explodierende Energiepreise, ein Verbrauch, der vor allem die weniger begüterten Schichten trifft. Die Regierung hat mit der geplanten Spritpreisbremse zumindest einen Versuch gestartet — Senkung der Mineralölsteuer um fünf Cent, Begrenzung der Raffineriermargen um weitere fünf Cent. Macht zusammen zehn Cent Entlastung pro Liter, wenn das Vorhaben die nötige Zweidrittelmehrheit bekommt.

Das Problem: Wie heute.at berichtet, fehlt diese Mehrheit nach wie vor. Die FPÖ verweigert das Gespräch, die Grünen sind skeptisch. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) lobte im ZiB2-Interview zwar die Grünen für ihre konstruktive Haltung, doch Babler selbst trat in der öffentlichen Debatte kaum als treibende Kraft auf. Dass der Preis für Diesel laut E-Control-Daten Ende März bei 2,189 Euro lag — rund 70 Cent mehr als noch einen Monat zuvor — macht die symbolischen zehn Cent nicht überzeugender.

Salzburg und der Bundestrend: Kein gutes Vorzeichen

Auch auf Landesebene ist die Lage schwierig. Laut einem Bericht von heute.at wollten weder Kärnten, Oberösterreich noch Salzburg Babler bei Landesveranstaltungen dabei haben — „Keiner will, dass er kommt“, zitiert heute.at einen SPÖ-Insider. Denn der Bundestrend kann Landtagsergebnisse laut Parteiinsidern um drei bis fünf Prozentpunkte in die eine oder andere Richtung verschieben — und ein Babler-Auftritt gilt in mehreren Länderorganisationen derzeit eher als Belastung denn als Bonus.

Dass sich diese Distanz mit Blick auf die OGM-Längsschnittanalyse erklärt, zeigt exxtra24.at: Seit 2022 hat die SPÖ demnach rund 500.000 Wähler verloren — ein Drittel ihrer einstigen Unterstützung. Die Verluste verteilen sich quer durch alle Schichten: Berufstätige, Pensionisten, Männer und Frauen gleichermaßen.

Was der Blick nach Deutschland zeigt

Auch ein Blick über die Grenze ist wenig tröstlich: Die deutsche Schwesterpartei SPD verlor laut dem amtlichen Ergebnis des Landesleiters Rheinland-Pfalz bei der Landtagswahl am 22. März 2026 nach 35 Jahren die Regierungsmacht und fuhr mit 25,9 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis in dem Bundesland ein. Laut einer Wahltagsbefragung gaben die Wähler an, dass vor allem Wirtschaft, soziale Sicherheit und Bildung die Entscheidung prägten — Themen, bei denen die SPD keine Kompetenzzuschreibung mehr erzielte. Nach der Wahl sagte SPD-Chefin Bärbel Bas laut t-online.de, die Frage nach neuen Köpfen sei zwar „offensiv angesprochen“ worden — ein Rücktritt aber kam nicht in Frage.

Das Bild, das sich auf beiden Seiten der Grenze ergibt, ist ähnlich: Sozialdemokraten in der Krise, mit Führungspersonal, das in unruhigen Zeiten kaum sichtbar ist — und das in einer Phase, in der eigentlich jede Krise eine Einladung wäre, soziale Kompetenz zu beweisen.


Quellen:

  • diepresse.com: Andreas Babler verschläft die Krise in Salzburg (Kommentar, gesperrt)
  • oe24.at: Babler und seine SPÖ sind wieder tief in der Umfrage-Krise
  • salzburg24.at: SPÖ-Parteitag: Babler stellt sich Wiederwahl um Vorsitz
  • heute.at: Babler intern in der Kritik — High Noon bei der SPÖ
  • heute.at: ORF-Wolf konfrontiert Minister: „Was bringen 10 Cent?“
  • exxtra24.at: SPÖ im freien Fall: Eine halbe Million Wähler läuft davon
  • Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Wahlnachtanalyse Landtagswahl 2026
  • t-online.de: Nach Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz: SPD sagt Pressekonferenz ab

Credits: APA

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