Aufruhr um die Farbe des Jahres: Ist Pantones Weiß-Wahl „rassistisch“?

Aufruhr um die Farbe des Jahres: Ist Pantones Weiß-Wahl „rassistisch“?

Jedes Jahr wartet die Design- und Modewelt gespannt auf die Verkündung der Pantone-Farbe des Jahres. Doch für 2026 löste die Wahl des sanften Weißtons „Cloud Dancer“ einen Sturm der Entrüstung in den sozialen Medien aus. Statt Ruhe und Harmonie erntete das Farbinstitut massive Kritik: Aktivisten werfen dem Unternehmen Rassismus und politische Blindheit vor.

Shitstorm statt Stil: Weiß wird zur Ideologie erklärt

Mit „Cloud Dancer“ (PANTONE 11-4201) wollte Pantone eigentlich ein Zeichen für Ruhe und einen Neuanfang setzen. Die Farbe sei „ein himmlisches Weiß, das sich wie ein Hauch frischer Luft anfühlt und von einem Gefühl der Gelassenheit durchdrungen ist“, erklärte Lee Eisman, die Geschäftsführerin des Pantone Color Institute, laut dem Magazin Vogue. Sie symbolisiere den Wunsch nach einer Zukunft ohne Überfluss und Giftstoffe.

Doch von Gelassenheit war im Netz keine Spur. Unmittelbar nach der Verkündung entbrannte online eine hitzige Debatte. Kritiker warfen Pantone vor, die Wahl eines Weißtons in der aktuellen politischen Lage sei „rassistisch“, „propagandistisch“ oder schlicht „bedenklich“. Wie das Magazin Glamour berichtet, bezeichneten einige Nutzer die Entscheidung als „offensichtliches Hundepfeifen“ an rechte Gruppen. Auf Instagram und TikTok häuften sich Kommentare, die Pantone „Weißwaschung“ und kulturelle Ignoranz vorwarfen. Ein Nutzer schrieb, wie das Magazin Today zitiert: „War ‚Klanrobenweiß‘ schon vergeben?“

„Pantonedeaf“: Von Mayonnaise bis Rezessions-Indikator

Die Kritik reichte von scharfer politischer Anklage bis hin zu Spott. Viele Nutzer nannten die Wahl schlicht langweilig. „Eure Wahl ist ungefähr so inspirierend wie Mayonnaise“, kommentierte jemand unter dem Instagram-Post von Pantone. Andere sahen darin ein Zeichen für die wirtschaftliche Lage: „Pantone kann sich dieses Jahr wohl keine Farbe leisten – und niemand sonst auch.“ Der Hashtag „Pantonedeaf“ machte die Runde, um die gefühlte Taubheit des Unternehmens gegenüber dem Zeitgeist auszudrücken.

Der Vorwurf, das Unternehmen habe bewusst eine Kontroverse gesucht, wurde ebenfalls laut. Sky Kelley, die Präsidentin von Pantone, räumte laut einem Bericht von CNET bei einer Veranstaltung ein, dass sie die Wahl für „ziemlich kontrovers“ hielt. Sie betonte jedoch: „Die Stärke des Programms liegt darin, dass es eine Konversation über Farbe entfacht, an der jeder teilnehmen kann. Wir bei Pantone diktieren diese Konversation nicht, wir ermöglichen sie.“ Für viele Kritiker klang das wie eine Bestätigung, dass die Empörung als PR-Strategie einkalkuliert war.

Pantone wehrt sich gegen die Vorwürfe

Das Unternehmen selbst reagierte auf die Kritik. Laurie Pressman, Vizepräsidentin des Pantone Color Institute, erklärte gegenüber der Washington Post, dass Hautfarben bei der Entscheidung keinerlei Rolle gespielt hätten. Es gehe darum, was die Menschen suchen und welche Bedürfnisse Farbe erfüllen könne. Wie das Branchenmagazin WWD berichtet, wollte Pantone mit dem neutralen Weißton eine Art „visuelles Gegengift“ zum Dauerstress des Alltags und der digitalen Reizüberflutung schaffen. Die Farbe solle eine leere Leinwand symbolisieren und zu Kreativität anregen.

Trotz der Erklärungen bleibt die Debatte bestehen. Die Wahl von „Cloud Dancer“ hat gezeigt, wie schnell eine rein ästhetische Entscheidung in der heutigen Gesellschaft zu einem politischen Statement umgedeutet werden kann – und wie eine Farbe die Gemüter mehr erhitzen kann, als sie zu beruhigen.

Quellen: exxpress.at, wwd.com, vogue.com, today.com, glamour.com, Washington Post, CNET, Instagram, TikTok

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