Ein unglaublicher Plan an einer Salzburger Grundschule sorgt derzeit für gewaltigen Wirbel bei den Eltern. Die Direktorin der Volksschule Liefering I wollte die kommenden ersten Klassen ab Herbst tatsächlich nach der Religionszugehörigkeit der Kinder trennen. Das erklärte Ziel: die Schaffung einer rein katholischen Klasse.
Der umstrittene Plan für den Stundenplan
Die Schulleiterin verteidigte ihr Vorhaben öffentlich. Da es immer weniger getaufte katholische Kinder gebe, würde eine Aufteilung auf drei Klassen bedeuten, dass pro Klasse nur noch eine einzige Stunde Religionsunterricht pro Woche stattfinden könne. Für die Vorbereitung auf die Erstkommunion sei das schlichtweg zu wenig Zeit.
Zudem betonte die Direktorin, die selbst Religionslehrerin ist, dass sie auch den Kindern islamischen oder orthodoxen Glaubens einen zweistündigen Unterricht am Vormittag ermöglichen wollte. Ihre Absicht sei es gewesen, den interreligiösen Dialog zu fördern.
Angst vor „Ausländerklassen“
Bei vielen Eltern schrillten nach Bekanntwerden der Pläne sofort die Alarmglocken. Sie befürchteten die Schaffung von isolierten „Ausländerklassen“ neben einer einzigen „Österreichklasse“. Diesen Vorwurf wies die Direktorin jedoch scharf zurück. In der für muslimische Kinder vorgesehenen Klasse hätten ohnehin 17 von 21 Schülern die österreichische Staatsbürgerschaft und würden perfekt Deutsch sprechen.
Die ohnehin angespannte Lage wurde durch Platz- und Personalmangel verschärft. Durch eine neue schulische Nachmittagsbetreuung steigen die Schülerzahlen im Herbst von 204 auf 220 an. Es fehle laut der Schulleitung an Aufsichtspersonal für all jene Kinder, die sich vom Religionsunterricht abmelden.
Bildungsdirektor greift rigoros durch
Die drastische Idee der Trennung war allerdings nur von kurzer Dauer. Salzburgs Bildungsdirektor Rudolf Mair schaltete sich umgehend ein und zog die Reißleine. Er lehnte das Vorhaben strikt ab und erteilte eine klare Weisung gegen die Klasseneinteilung nach religiösen Bekenntnissen.
Mair betonte, dass man die Religion nicht als trennendes Element hochstilisieren dürfe. Man wolle eine inklusive Gesellschaft, in der die Kinder von klein auf lernen, miteinander auszukommen. Als alternative Lösung brachte er einen altersgerechten Ethikunterricht für Schüler ohne Bekenntnis ins Spiel.
Sogar die Kirche winkt ab
Rückenwind für das Projekt gab es nicht einmal von katholischer Seite. Auch das Schulamt der Erzdiözese Salzburg distanzierte sich deutlich von der Schulleiterin. Erwin Konjecic, Leiter des Schulamts, stellte klar, dass man diesem Plan niemals zugestimmt habe. Die angedachte Einteilung sei „unglücklich“, und es gäbe weitaus bessere Modelle, um mit den Herausforderungen von Integration und Diversität im Klassenzimmer umzugehen.
Quellen: exxpress.at, salzburg24.at, diepresse.com, nachrichten.at, Salzburger Nachrichten
Credits: APA
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