Arbeitslosigkeit steigt weiter: Frauen und Langzeitarbeitslose besonders betroffen

Arbeitslosigkeit steigt weiter: Frauen und Langzeitarbeitslose besonders betroffen

Trotz eines leichten Beschäftigungszuwachses bleibt die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt angespannt. Ende August waren insgesamt 375.730 Menschen ohne Beschäftigung – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr, der vor allem Frauen und Langzeitarbeitslose härter trifft.

Die aktuellen Zahlen im Überblick

Laut Sozial- und Arbeitsministerium waren zum Monatsende 311.448 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos gemeldet – um 3,3 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent. Rechnet man die Teilnehmer an AMS-Schulungen hinzu, waren insgesamt 375.730 Menschen ohne Beschäftigung. Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im Jahresvergleich immerhin um rund 10.000 zu – ein Anstieg der Arbeitslosigkeit wurde dennoch in sämtlichen Bundesländern und Altersgruppen verzeichnet.

Frauen deutlich stärker betroffen

Besonders auffällig zeigt sich die Entwicklung nach Geschlecht: Bei Frauen stieg die Arbeitslosigkeit um 6,3 Prozent, bei Männern hingegen nur um 0,7 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit blieb mit einem Plus von 0,3 Prozent weitgehend stabil.

Angespannter Lehrstellenmarkt

Auch bei den Ausbildungsplätzen zeigt sich eine Verschärfung: Den gemeldeten Lehrstellensuchenden standen um 1.121 weniger offene Lehrstellen gegenüber als im Vorjahr. Ende August betrug die Lehrstellenlücke damit 5.286 Stellen.

Langzeitarbeitslosigkeit wächst deutlich

Besonders stark zugenommen hat die Langzeitarbeitslosigkeit: 105.169 Personen waren zum Stichtag seit mindestens einem Jahr beim AMS vorgemerkt – ein Anstieg um 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ihr Anteil an allen vorgemerkten Arbeitslosen erreichte damit 34 Prozent.

Ministerium setzt Hoffnung auf „Green Jobs“

Das Sozial- und Arbeitsministerium sieht in klimarelevanten Berufen einen möglichen Hoffnungsschimmer: Ende August waren beim AMS 12.896 sofort verfügbare Stellen in diesem Bereich ausgeschrieben, denen 19.929 vorgemerkte Arbeitslose gegenüberstanden. „Der Klimawandel verändert die Wirtschaft – und damit auch den Arbeitsmarkt. Zugleich eröffnet die Transformation hin zur Klimaneutralität neue Beschäftigungschancen, wie die vielen offenen Stellen in klimarelevanten Berufen zeigen. Mit dem Arbeitsmarkt-Transformationsfonds stellen wir sicher, dass Menschen die Qualifizierungen erhalten, die für diese innovativen Berufe nötig sind“, erklärt Sozial- und Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). Für diesen Transformationsfonds sind 2028 insgesamt 26,7 Millionen Euro und 2029 weitere 54,6 Millionen Euro vorgesehen.

ÖGB fordert verstärkte Qualifizierung

Auch der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) meldete sich zur aktuellen Entwicklung zu Wort. ÖGB-Arbeitsmarktexperte Lukas Stani sieht in Qualifizierung, Lehre und Integration die zentralen Mittel gegen die steigende Arbeitslosigkeit: Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung hätten ein rund dreimal so hohes Risiko, arbeitslos zu werden. „Ausbildung ist und bleibt der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.“ Zugleich seien auch die Betriebe bei der Ausbildung von Fachkräften gefordert, zusätzlich müssten ausländische Abschlüsse künftig schneller anerkannt werden.

Ein Arbeitsmarkt mit gegenläufigen Trends

Die aktuellen Zahlen zeichnen ein zwiespältiges Bild: Trotz eines moderaten Beschäftigungswachstums steigt die Arbeitslosigkeit in nahezu allen Bevölkerungsgruppen weiter an – besonders ausgeprägt bei Frauen und Langzeitarbeitslosen. Ob die von der Regierung gesetzten Maßnahmen wie der Arbeitsmarkt-Transformationsfonds diese Entwicklung mittelfristig umkehren können, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen.

Credits: AMS, Fotostudio B&G

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