Brüssel vollzieht eine stille Kehrtwende: Aus Sorge, dass Washington ohne Europa einen Separatfrieden mit Moskau aushandelt, bereitet die EU eigene Gesprächskanäle mit Russland vor. Ein Paradigmenwechsel in der europäischen Außenpolitik.
Die Angst vor dem Separatfrieden
Das Schreckensszenario in Brüssel, Berlin und Warschau ist klar definiert: Ein US-Präsident, der mit dem Aggressor über die Köpfe der europäischen Partner hinweg einen Deal schließt – und Europa vor vollendete Tatsachen stellt. Wie das Analyse-Portal investmentweek.com in einer Einschätzung zur aktuellen Diplomatie festhielt, fürchten sich viele EU-Hauptstädte genau davor „mehr als vor einer militärischen Eskalation.“
Die Verhandlungen zwischen Washington und Moskau kommen seit Februar kaum voran. Wie Euronews berichtete, wurden die ohnehin schleppenden Gespräche durch den Iran-Krieg weitgehend auf Eis gelegt. Weder über das zentrale Streitthema Territorium noch über Waffenstillstandsbedingungen gibt es Annäherung.
EU will eigene Gesprächskanäle öffnen
Wie exxpress.at berichtete, bereitet sich die EU-Kommission nun intern auf direkte Gespräche mit Russland vor – ein Schritt, der noch vor wenigen Monaten als politisch unmöglich gegolten hätte. Das Kalkül dahinter: Wenn Trump einen Frieden aushandelt, soll Europa am Tisch sitzen und nicht vor der Tür stehen. Konkrete Details zu Form und Zeitpunkt möglicher Kontakte wurden nicht publik gemacht.
Wie Euronews berichtete, traf der ukrainische Sicherheitsratschef Rustem Umerov zuletzt in Florida mit US-Sondergesandtem Steve Witkoff zusammen – ein Zeichen, dass Washington die Verhandlungsschiene wieder aktiviert. Selenskyj erklärte dabei, die Ukraine habe „wichtigste Aufgaben definiert“ – darunter Gefangenenaustausch und Sicherheitsgarantien für die Zeit nach einem möglichen Kriegsende.
Russland: 9. Mai als Testballon für Waffenruhe
Parallel läuft eine weitere diplomatische Initiative. Wie Euronews berichtete, bestätigte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, dass über eine Waffenruhe rund um den russischen Tag des Sieges am 8. und 9. Mai gesprochen werde. Auf Kiews eigenes Waffenstillstandsangebot vom 6. Mai – das Moskau als „völligen Zynismus“ bezeichnete – gab es keine russische Reaktion.
Europas Dilemma: Mitgestalten oder zusehen
Die EU steht vor einer grundsätzlichen strategischen Frage. Wie das IPG-Journal in seiner Analyse des Ukraine-Konflikts festhielt, funktioniert Trumps Ansatz als „Pendeldiplomatie“ – einzelne Akteure werden nacheinander konsultiert, nicht gemeinsam. Das gibt Europa wenig Einfluss. Die Alternative – eigene Gesprächskanäle mit Moskau – ist innenpolitisch heikel, aber realpolitisch zunehmend unvermeidbar.
Credits: APA
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