Alles neu beim Bundesheer: Wehrdienst und Zivildienst sollen deutlich länger werden

Alles neu beim Bundesheer: Wehrdienst und Zivildienst sollen deutlich länger werden

Große Veränderungen kommen auf Österreichs junge Männer zu. Eine von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Kommission hat nun offiziell empfohlen, sowohl den Wehrdienst als auch den Zivildienst zu verlängern. Der Expertenbericht, der am Dienstag präsentiert wurde, setzt die Politik nun unter Zugzwang.

Das Favoriten-Modell der Kommission: „Österreich plus“

Nach monatelangen Beratungen haben die 23 Experten der Wehrdienstkommission ihr Urteil gefällt. Wie mehrere österreichische Medien, darunter die Kleine Zeitung, berichten, favorisiert die Kommission stark ein Modell mit dem Namen „Österreich plus“. Dieser Plan sieht vor, den Grundwehrdienst von derzeit sechs auf acht Monate zu verlängern. Darauf sollen zwei Monate verpflichtende Milizübungen folgen, die auf mehrere Jahre verteilt werden.

Dieses „8+2-Modell“ wird als effektivster Weg gesehen, um die volle Einsatzbereitschaft des Bundesheeres wiederherzustellen. Generalmajor Erwin Hameseder, der Leiter der Kommission, betonte, dass es in der heutigen geopolitischen Lage keine langen Vorwarnzeiten mehr gebe und eine Mobilmachung innerhalb von Tagen erfolgen müsse. Dies sei ohne gut ausgebildete Milizsoldaten unmöglich, argumentierte er. Die Umsetzung dieser Reform könnte bereits mit Anfang nächsten Jahres starten.

Auch Zivildienst vor massiver Ausweitung

Die Änderungen betreffen nicht nur das Militär. Um ein Gleichgewicht zu wahren und eine Flucht vom Wehrdienst in den Zivildienst zu verhindern, besteht die Kommission darauf, dass auch letzterer verlängert werden muss. Die Empfehlung lautet, die Dauer des Zivildienstes von derzeit neun auf zwölf Monate zu erhöhen. Wie heute.at berichtet, ist dies ein fixer Bestandteil aller vorgeschlagenen Modelle, um Fairness zu garantieren.

Zusätzlich sollen Zivildiener einen sogenannten „Bereitstellungsschein“ erhalten. Dieser würde ihnen im Krisenfall spezifische Aufgaben in der zivilen Landesverteidigung zuweisen und so die Widerstandsfähigkeit des Landes stärken.

Was kommt auf Österreichs Jugend zu?

Obwohl der Bericht der Kommission knapp 50 Empfehlungen enthält, liegt der Fokus klar auf der Verlängerung der Dienstzeit. Nach Informationen der APA hat die Kommission drei Hauptmodelle ausgearbeitet, wobei die Variante „Österreich plus“ der klare Favorit ist. Ein „Schweizer Modell“ mit kürzerer Grundausbildung und mehr Miliztagen wurde als zu komplex für eine schnelle Umsetzung erachtet.

Verteidigungsministerin Tanner hat bereits signalisiert, dass sie bereit ist, auch „unpopuläre Entscheidungen“ für die Sicherheit des Landes zu treffen. In einer Videobotschaft rief sie zu einem breiten politischen Konsens auf. Die nächsten Schritte werden Verhandlungen zwischen den Parlamentsparteien sein. Während ÖVP und FPÖ einer Verlängerung positiv gegenüberstehen, haben SPÖ und NEOS Bedenken geäußert, wie die Kronen Zeitung anmerkt. Die Debatte dürfte sich nun zuspitzen, da die Politik die Sicherheitsbedürfnisse gegen die Auswirkungen auf junge Menschen und den Arbeitsmarkt abwägen muss.

Quellen: oe24.at, derstandard.at, kleinezeitung.at, krone.at, heute.at
Credits: APA

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