Albanien brennt – und Meinl-Reisinger lädt albanische Außenministerin zum Opernball ein

Albanien brennt – und Meinl-Reisinger lädt albanische Außenministerin zum Opernball ein

Straßenschlachten in Tirana, Feststimmung in Wien – Während in Wien Champagnergläser klingen, fliegen in Tirana Molotowcocktails. Bei einer großen regierungskritischen Demonstration in der albanischen Hauptstadt lieferten sich tausende Demonstranten heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Wasserwerfer, Rauch, Flammen, Verletzte, Festnahmen.

Die Wut richtet sich gegen die stellvertretende Premierministerin Belinda Balluku, der Korruption bei Infrastrukturprojekten vorgeworfen wird. Die albanische Sonderstaatsanwaltschaft SPAK strebt die Aufhebung ihrer Immunität an. Balluku weist alle Vorwürfe zurück. Die Bilder erinnern eher an politische Ausnahmezustände als an einen EU-Beitrittskandidaten. Auch der albanische Botschafter in Wien Fate Velaj steht im Fokus der SPAK.

Der Ball der Bälle – und die Loge der Außenministerin

Nur zwei Tage später steht genau dieses Albanien im Mittelpunkt einer Wiener Festloge. In der Wiener Staatsoper steigt der Opernball. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger hat sich als einzige Regierungspolitikerin eine eigene Rangloge gesichert – Kostenpunkt laut Medienberichten rund 26.000 Euro, dazu Eintrittskarten und Konsumation.

In dieser Loge empfängt sie unter anderem die albanische Außenministerin Elisa Spiropali. Offiziell gilt Albanien als EU-Beitrittskandidat und damit als diplomatisch relevant. Der Zeitpunkt dieser Begegnung wirkt dennoch bemerkenswert.

Albanien im Fokus – der Skandalbotschafter in Wien

Während Albanien am Opernball hofiert wird, bleibt eine andere albanische Causa auffallend leise: der Fall des albanischen Botschafters in Wien, Fate Velaij.

Toyota-Yaris-Affäre, Ermittlungen und offene Fragen: Brisant sind Berichte rund um die sogenannte Toyota-Yaris-Affäre: 2018 wurden 3,4 Millionen Euro Bargeld in Fahrzeugen entdeckt, die von Belgien nach Albanien unterwegs waren. Die albanische Sonderstaatsanwaltschaft SPAK ermittelt zu möglichen Geldwäscheverbindungen. In Medienberichten tauchte dabei auch das familiäre Umfeld des Botschafters auf. Velaij weist jeden Zusammenhang zurück; offizielle österreichische Ermittlungen gegen ihn sind nicht bekannt.

Weitere Diskussionen betreffen frühere Sozialleistungsbezüge trotz erheblicher Vermögensangaben sowie künstlerische und kommerzielle Tätigkeiten in Österreich während seiner diplomatischen Funktion. Viele Fragen sind öffentlich dokumentiert – klare Antworten bleiben rar.

Symbolik, die lauter wirkt als Worte

Teile der albanischen Diaspora in Wien fordern einen personellen Wechsel, auch Oppositionspolitiker sprechen von einem Imageschaden. Während in Tirana Wasserwerfer gegen Demonstranten eingesetzt werden und eine Vizepremierministerin um ihre Immunität kämpft, sitzt Österreichs Außenministerin mit der albanischen Amtskollegin in einer Opernball-Loge.

Diplomatie lebt von Begegnungen. Doch Bilder sprechen in der Politik oft lauter als Presseaussendungen. Das Bild dieses Abends zeigt: Gala in Wien, Ausnahmezustand in Tirana.

Ein politisches Statement ist das allemal – nur vermutlich nicht jenes, das beabsichtigt war.

Ist Albanien wirklich bereit für den EU-Beitritt?

Korruptionsvorwürfe gegen Regierungsmitglieder, Ermittlungen der Sonderstaatsanwaltschaft, Diskussionen über Vetternwirtschaft und Intransparenz sowie wiederkehrende Kritik an der Medienfreiheit werfen Fragen auf, die weit über eine einzelne Demonstration hinausgehen.

Auch europäische Politiker mischen hier mit: Der österreichische EU-Abgeordnete Andreas Schieder gilt als klarer Befürworter eines raschen EU-Beitritts Albaniens und erhielt eine Ehrendoktorwürde der Universität in Vlora.

Zwischen politischer Unterstützung auf europäischer Ebene und den Bildern aus Tirana klafft jedoch eine sichtbare Lücke.

Credits: APA (Titellbild), Screenshot (Feuer)

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