Akademikerball in der Hofburg: Rosenkranz kommt – und der Protest auch

Akademikerball in der Hofburg: Rosenkranz kommt – und der Protest auch

Der Wiener Akademikerball in der Hofburg sorgt auch heuer wieder für Wirbel – diesmal schon vor dem ersten Walzer. Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) wird erneut an der Eröffnungszeremonie teilnehmen, und die Opposition reagiert prompt mit scharfer Kritik.

Rosenkranz als Teil der Eröffnung

Wie Ballorganisator Udo Guggenbichler gegenüber oe24 bestätigt, wird der zweithöchste Mann im Staat beim Einzug der Ehrengäste dabei sein. Grußworte seien möglich, eine Rede hingegen definitiv nicht, wie sein Sprecher betonte. Ebenfalls erwartet werden Wiens FPÖ-Landesparteichef Dominik Nepp sowie zahlreiche weitere blaue Funktionäre. FPÖ-Chef Herbert Kickl hingegen bleibt wie immer fern – er sei kein Ballgeher, heißt es aus seinem Büro.

Der Akademikerball findet seit 2013 unter diesem Namen statt und gilt als Nachfolger des früheren WKR-Balls, der seit 1952 von deutschnationalen Hochschulkorporationen ausgerichtet wurde. Kritiker sehen die Veranstaltung als internationales Vernetzungstreffen der rechten bis rechtsextremen Szene. Dass auch der frühere Kopf der Identitären Bewegung, Martin Sellner, regelmäßig zu den Gästen zählt, befeuert diese Einschätzung.

Opposition spricht von „Schande“

Die Reaktionen aus dem Parlament fallen deutlich aus. SPÖ-Abgeordnete Sabine Schatz erklärt: „Der Akademikerball steht seit Jahren für ein Milieu, das deutschnationales und rechtsextremes Gedankengut verharmlost. Wer als Nationalratspräsident eine überparteiliche und verbindende Rolle innehat, darf solchen Veranstaltungen nicht durch seine Anwesenheit Legitimität verleihen.“

Noch schärfer formuliert es der Grüne Lukas Hammer: „Das ist kein Folkloretermin, sondern ein politisches Signal, dass die FPÖ offen mit der extremen Rechten kooperiert. Rosenkranz beweist mit seinem regelmäßigen Antanzen beim Akademikerball einmal mehr, dass er für das Amt des Nationalratspräsidenten untragbar ist. Das ist unwürdig und eine Schande für die Republik.“

Auch der Wiener Grünen-Menschenrechtssprecher Niki Kunrath spricht laut ORF Wien von einem „fatalen Zeichen“: „Für die Menschenrechtsstadt Wien ist es beschämend, dass der sogenannte Akademikerball der Wiener FPÖ nach wie vor im Herzen Wiens stattfindet.“

Demo zieht durch die Innenstadt

Draußen vor der Hofburg formiert sich traditionell der Widerstand. Die Plattform „Offensive gegen Rechts“ hat erneut zu einem Protestzug aufgerufen – Motto: „Auf die Straße gegen Burschis & Faschos“. Laut Polizei versammelten sich die Teilnehmer um 17 Uhr vor der Hauptuni Wien und zogen über den Ring bis zum Stephansplatz. Angemeldet waren rund 1.000 Personen. Ein zweiter Protestmarsch – der sogenannte „Budenbummel“ – zieht an mehreren Verbindungshäusern von Burschenschaften vorbei durch die Bezirke 7 und 8. Mehrere Hundert Polizisten sind im Einsatz, rund um den Heldenplatz gilt ein Platzverbot.

Wie nachrichten.at berichtet, verliefen die Proteste in den vergangenen Jahren laut Exekutive „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ – ob das auch 2026 so bleibt, wird sich zeigen.


Quellen: oe24.at (19.02.2026); ORF Wien; vienna.at; nachrichten.at; heute.at; puls24.at; APA

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