AfD-Leak: Ehemalige FPÖ-Werbeagentur bot AfD Beratung um 75.000 Euro im Monat an

AfD-Leak: Ehemalige FPÖ-Werbeagentur bot AfD Beratung um 75.000 Euro im Monat an

Die gestohlenen und veröffentlichten AfD-Mails bringen eine weitere Spur nach Österreich ans Licht. Eine Werbeagentur, die früher für die Freiheitlichen gearbeitet hat, bot 2018 dem AfD-Landesverband in Nordrhein-Westfalen ihre Dienste an. Der Preis ließ selbst die Empfänger stutzen. Brisant ist die Vorgeschichte der Agentur: FPÖ-Chef Herbert Kickl soll laut früheren Medienberichten einst an ihr beteiligt gewesen sein, was er bestreitet.

“Verstehe ich das richtig?”

Laut “Standard” traf sich die Agentur, einst bekannt unter dem Namen “Ideenschmiede”, im Herbst 2018 in Düsseldorf mit Vertretern der AfD. Danach folgte ein Angebot, das im Landesvorstand für Erstaunen sorgte. “Liebe Kollegen, verstehe ich das Angebot richtig, dass 75.000 € pro Monat anfallen??”, fragte ein Vorstandsmitglied. Laut “profil” handelte es sich um Michael Schlembach. In einer weiteren Mail heißt es laut “profil”, der Kostenvoranschlag sei “sicherlich außerordentlich hoch”, lasse sich aber “gut abspecken”. Ob die AfD die Agentur am Ende beauftragt hat, geht aus den bisher bekannten Teilen der Berichte nicht hervor.

Begeistert von der FPÖ

Den Hintergrund beschreibt “profil”: Die Mails zeigten, wie sich die AfD in Nordrhein-Westfalen von den Erfolgen der FPÖ begeistert zeigte und daraufhin Kontakte zu den Freiheitlichen und zu deren Werbemann knüpfte. Im Jahr 2018 regierte die FPÖ gemeinsam mit der ÖVP, Kickl war Innenminister. Bereits zuvor war durch den AfD-Leak bekannt geworden, dass die heutige AfD-Chefin Alice Weidel dem FPÖ-Politiker Harald Vilimsky 2016 Talking Points für einen Vortrag bei der AfD geschickt hatte.

Die Vorgeschichte der Agentur

Die Agentur hat eine bewegte Geschichte. Bekannt wurde die “Ideenschmiede” durch einen Skandal um Werbeaufträge des Landes Kärnten zur Zeit der Regierungen von BZÖ und FPK. Öffentliche Gelder sollen ab Mitte der 2000er-Jahre an die Agentur und teils in Form von sogenannten Kick-back-Zahlungen zurück an die Partei geflossen sein, schreibt “profil”. Die Wochenzeitung “Falter” veröffentlichte 2015 Unterlagen aus einer Razzia der Korruptionsstaatsanwaltschaft, wonach Kickl ab 2005 über einen Treuhänder heimlicher Hälfteeigentümer der Agentur gewesen sein soll. Kickl hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und erklärt, er habe seine Anteile bereits 2005 zurückgelegt. Für das Jahr 2018, in dem das Angebot an die AfD erging, ist eine Verbindung Kickls zur Agentur nicht belegt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Leak mit Vorbehalt

Die Informationen stammen aus mehr als 421.000 E-Mails, die Hacker bei der AfD erbeutet und im Internet veröffentlicht haben. Die AfD hat den Datenabfluss bestätigt, warnt aber vor “bedenklichen Fälschungen” im Konvolut. Der “Standard” hat bei seinen bisherigen Berichten über den Leak angegeben, die zitierten Inhalte mit Originalen abzugleichen. Eine Stellungnahme der FPÖ oder der Agentur zu dem Bericht lag zunächst nicht vor.

Credits: Thomas Köhler / photothek

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