Es gibt so viele Ärzte wie noch nie, doch die Wartezimmer sind voller denn je und auf einen Termin wartet man oft wochenlang. Wie kann das sein? Neue Zahlen bringen Licht ins Dunkel und enthüllen ein System, das an seine Grenzen stößt.
Zahlen lügen nicht: Die große Ärzte-Flut
Die Statistik Austria liefert knallharte Fakten: Die Zahl der praktizierenden Ärzte in Österreich ist in den letzten Jahren förmlich explodiert. Waren es 2015 noch rund 44.000 Mediziner, die sich um das Wohl der Patienten kümmerten, sind es heute sage und schreibe 52.000. Das bedeutet, rein statistisch kommen heute 565 Ärzte auf 100.000 Einwohner – vor zehn Jahren waren es nur 506. Man sollte meinen, das Paradies für jeden, der medizinische Hilfe sucht. Doch die Realität sieht dramatisch anders aus.
Das Rätsel der verschwundenen Hausärzte
Während die Gesamtzahl der Ärzte steigt, verschwindet eine entscheidende Gruppe langsam, aber sicher von der Bildfläche: die Allgemeinmediziner. Der gute alte Hausarzt, die erste Anlaufstelle bei allen Wehwehchen, wird zur Mangelware. Laut den Berichten sank ihre Zahl von rund 14.300 auf nur noch 13.000. Gleichzeitig schoss die Zahl der Fachärzte durch die Decke – von 23.400 auf beeindruckende 29.400. Das Ergebnis? Ein Ungleichgewicht, das für Patienten frustrierende Folgen hat. Man findet zwar Spezialisten für seltene Krankheiten, aber keinen Hausarzt mehr um die Ecke.
Krankenhäuser im Sparmodus: Betten werden abgebaut
Als wäre das nicht schon genug, wird auch an anderer Stelle der Rotstift angesetzt. Während die Zahl der Ärzte steigt, schrumpft die Zahl der Krankenhausbetten. Wie oe24.at meldet, sank die Zahl der aufgestellten Betten von 65.100 im Jahr 2015 auf nur noch 60.100 heute. Weniger Betten, weniger Allgemeinmediziner, aber immer mehr hochspezialisierte Fachärzte – ein System, das viele Fragen aufwirft.
Die große Frage, die sich nun alle stellen: Wohin verschwinden die ganzen neuen Ärzte? Arbeiten sie in Privatpraxen, die sich nur wenige leisten können? Oder zwingen die Bedingungen im öffentlichen System sie in andere Bereiche? Für den Patienten bleibt am Ende nur die frustrierende Erkenntnis: Mehr Ärzte bedeuten nicht automatisch eine bessere Versorgung. Das Warten auf den nächsten Termin geht weiter.
Quelle: Statistik Austria, oe24.at
Credits: APA
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