126 Podcasts trotz Sparkurs: Der ORF und sein Audio-Imperium

126 Podcasts trotz Sparkurs: Der ORF und sein Audio-Imperium

Während der ORF unter erheblichem finanziellem Druck steht, wächst zumindest ein Angebotsbereich munter weiter: Podcasts. Insgesamt 126 verschiedene Formate bietet der Öffentlich-Rechtliche mittlerweile über ORF Sound und diverse Drittplattformen an.

Eine stattliche Zahl für das zweite Quartal

Über insgesamt 126 Podcasts verfügte der ORF im zweiten Quartal 2026, wie oe24 berichtet. Einen eigenständigen Online-only-Podcast, der ausschließlich fürs Internet produziert wird, sucht man darunter allerdings bislang vergeblich. Meist handelt es sich um bereits bestehende TV- oder Radiobeiträge, die zusätzlich als Podcast angeboten werden – etwa die „ZiB 2“ oder die Ö1-Journale.

„Integraler Bestandteil“ des Angebots

Auf Anfrage von oe24 erklärte der ORF: „Podcasts erfreuen sich seit vielen Jahren steigender Beliebtheit in der österreichischen Bevölkerung und sind daher auch längst integraler Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Audio-Angebots, das der ORF über ORF Sound sowie über ausgewählte Drittplattformen zur Verfügung stellt.“ Die Podcasts sollen dabei stets einen direkten Programmbezug aufweisen und das lineare Radio- und Fernsehprogramm unterstützen, vertiefen und begleiten.

Kein eigenes Podcast-Personal

Für die Produktion beschäftigt der ORF keine eigenen „Podcast-Angestellten“. Wie das Unternehmen erklärt: „Aus Effizienzgründen erfolgen Produktion und Upload in den allermeisten Fällen dezentralisiert und direkt in den Redaktionen der jeweiligen Radio- bzw. TV-Sendungen.“ Die 126 Podcasts entstehen demnach im laufenden Redaktionsbetrieb, ohne dass dafür eine eigene, zentrale Abteilung nötig wäre.

Ein Angebot mitten im Sparkurs

Bemerkenswert ist die schiere Zahl der Podcasts angesichts der aktuellen finanziellen Lage des Senders. Ab 2027 muss der ORF laut einer Mitteilung des Medienministeriums auf eine bisherige Kompensation von 93 Millionen Euro pro Jahr verzichten – jenen Ausgleich, den der Bund bislang für den mit der Einführung der Haushaltsabgabe weggefallenen Vorsteuerabzug leistete. ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hatte bereits gewarnt, diese Kürzung rüttle „an den Grundfesten“ des Unternehmens, wie das Fachportal „Horizont“ berichtete – auch das Publikum werde die Einschnitte zu spüren bekommen. Als Ausgleich darf der ORF künftig mehr Geld aus einem sogenannten Sperrkonto verwenden: Die bisherige Obergrenze von 710 Millionen Euro aus der Haushaltsabgabe steigt auf 780 Millionen Euro. Insgesamt rechnet der Sender laut dem Fachportal „diemedien.at“ mit einem zusätzlichen Sparbedarf von rund 100 Millionen Euro binnen drei Jahren.

Redaktionelle Doppelverwertung statt Neuproduktion

Dass der ORF trotz dieser angespannten Budgetlage weiterhin mit 126 Podcasts aufwarten kann, liegt maßgeblich am beschriebenen Produktionsmodell: Da es sich überwiegend um bereits produzierte Radio- und TV-Inhalte handelt, die lediglich zusätzlich als Podcast bereitgestellt werden, entstehen dafür kaum separate Zusatzkosten. Die hohe Zahl an verfügbaren Formaten ist damit weniger Ausdruck eines eigenständigen Podcast-Investments, sondern eher ein Nebenprodukt der ohnehin laufenden Radio- und Fernsehproduktion.

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