Ein US-Präsident steht vor seinen Anhängern und sagt: Wählt richtig, und ich zahl euch 5.000 Dollar. Klingt wie eine schräge Verschwörungstheorie aus den Tiefen des Internets. Ist aber echt passiert. Auf dem Midterm-Parteitag der Republikaner, gesprochen von Donald Trump höchstpersönlich. Und das Schlimme ist: Man gewöhnt sich schon fast dran.
Der Präsident als Buchmacher
Bei der Eröffnung seines Parteitags verkündete Trump in eineinhalb Stunden Redezeit: Jeder erwachsene Amerikaner soll 5.000 Dollar bekommen – vorausgesetzt, seine Partei gewinnt im November die Kongresswahlen. Dazu die Ansage, klar und unverblümt: Die Wähler sollen die Zwischenwahlen so behandeln, „als stünde mein Name auf dem Stimmzettel“. Das ist keine Vision. Das ist eine Wette, bei der derselbe Typ Croupier und Buchmacher spielt.
Kurz durchatmen und das wirken lassen: Der Präsident der Vereinigten Staaten bietet seinen Bürgern Bargeld an, wenn sie sich politisch gefälligst so verhalten, wie er es gerne hätte. In jeder Bananenrepublik würde man das Stimmenkauf nennen. In Washington nennt man es „Dividende“. Klingt gleich viel seriöser, gell?
Woher soll das Geld kommen? Schulterzucken.
Auffällig ist, was in der ganzen Nummer fehlt: eine Finanzierung. Keine Zahl, kein Plan, keine seriöse Gegenrechnung. Nur das Versprechen, dass Geld fließt, sobald man ihm die Mehrheit sichert. Erinnert nicht zufällig an frühere Ideen aus seinem Repertoire, wo Zoll-Einnahmen ganz plötzlich zu Bürgerschecks werden sollten. Politik als Wunschkonzert, bezahlt mit Geld, das bislang noch niemand gesehen hat.
Pikant dabei: Trump sitzt selbst auf einem politischen Kriegsschatz von schätzungsweise 1,4 Milliarden Dollar, eingesammelt seit seinem Wahlsieg 2024 – größer als bei jedem Präsidenten vor ihm zu diesem Zeitpunkt. Und trotzdem munkeln schon Leute in der eigenen Partei, er könnte zögern, dieses Geld tatsächlich für die eigenen Kandidaten lockerzumachen. Wer beim eigenen Wahlkampf knausert, aber locker 5.000 Dollar pro Kopf verspricht, sobald er selbst im Rampenlicht steht – der zeigt ziemlich deutlich, wo für ihn die Prioritäten liegen.
Leere Ränge, große Töne
Und dann ist da noch das Bild, das von diesem Auftritt bleibt: Berichten zufolge blieben etliche Ränge im Saal leer. Ein Präsident, der sich gerne als geeinter, kampfbereiter Anführer seiner Partei inszeniert, hält seine große Rede vor halbvollem Haus – Bargeldversprechen, Steuersenkungen, eine Krankenversicherungsreform, bei der die Details genauso vage bleiben wie die Frage, wer das Ganze eigentlich bezahlt.
Was am Ende bleibt
Man kann das als übliches Wahlkampfgetöse abtun, wie es in den USA seit Jahren dazugehört. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Politiker, der niedrigere Steuern verspricht, und einem Präsidenten, der Bürgern direkt Bargeld verspricht, wenn sie brav seine Partei wählen. Der eine macht Politik. Der andere macht ein Geschäft. Und wenn Demokratie zum Basar wird, auf dem der Amtsinhaber die Preise festlegt, verliert am Ende nicht bloß die Opposition. Es verliert die Idee, dass eine Stimme mehr wert ist als eine Ware mit Preisschild.
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