Zum 40. Jahrestag der schlimmsten zivilen Nuklearkatastrophe der Geschichte gedachte die Ukraine ihrer Opfer. Präsident Selenskyj nutzte den Anlass für eine scharfe Warnung: Russland bringe die Welt erneut an den Rand einer nuklearen Katastrophe.
Zeremonie unter Sicherheitsvorkehrungen
Am 26. April 1986 explodierte Reaktor 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl in der damaligen Sowjetrepublik Ukraine. 40 Jahre später fand auf dem Kraftwerksgelände in der Nordukraine eine Gedenkzeremonie mit Präsident Wolodymyr Selenskyj statt. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, galten dabei strenge Sicherheitsvorkehrungen – die Nähe zur belarussischen Grenze und der seit 2022 laufende russische Angriffskrieg machten das notwendig. In Kiew und anderen Städten wurde mit Schweigeminuten, Ausstellungen und Blumenniederlegungen gedacht.
Selenskyj: „Nuklearer Terrorismus muss enden“
Selenskyj ließ es nicht bei stillem Gedenken bewenden. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, richtete er klare Worte an die Weltgemeinschaft: „Die Welt darf nicht zulassen, dass dieser nukleare Terrorismus weitergeht, und der beste Weg ist, Russland zu zwingen, seine wahnsinnigen Angriffe einzustellen.“
Konkreter Auslöser: Russische Drohnen fliegen regelmäßig über das Tschernobyl-Gebiet. Im Vorjahr wurde die Sicherheitshülle aus Stahl über dem havarierten Reaktor beschädigt – jene Konstruktion, die den weiteren Strahlenaustritt verhindern soll. Die Reparaturkosten werden laut Tiroler Tageszeitung auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Selenskyj fordert zudem seit Langem ein Ende der russischen Besetzung des Atomkraftwerks Saporischschja, das unter der Kontrolle des russischen Staatskonzerns Rosatom steht.
Die Katastrophe: Was am 26. April 1986 geschah
Ein außer Kontrolle geratener Test ließ Reaktor 4 in der Nacht auf den 26. April 1986 explodieren. Radioaktive Wolken breiteten sich über weite Teile Europas aus – am stärksten betroffen waren neben der Nordukraine das benachbarte Belarus und Teile Russlands. Wie die Tiroler Tageszeitung zusammenfasste, erfolgte die erste öffentliche Warnung erst zwei Tage später, als Schweden erhöhte Strahlungswerte auf seinem Territorium registrierte. Mehr als 100.000 Menschen wurden aus der 30-Kilometer-Sperrzone zwangsumgesiedelt, Experten gehen von Zehntausenden Langzeit-Todesopfern aus.
Rosatom beteuert Sicherheit – Papst mahnt
In Moskau betonte Rosatom-Chef Alexej Lichatschow zum Jahrestag, russische Kernreaktoren seien heute sicher: „Heute ist bei den russischen Kernreaktoren ein Tschernobyl-Szenario ausgeschlossen.“ Er würdigte die rund 600.000 „Liquidatoren“, die damals die Katastrophenfolgen beseitigten.
Auch Papst Leo XIV. gedachte beim Regina-Coeli-Gebet der Opfer. Das Unglück habe laut Tiroler Tageszeitung „das Gewissen der Menschheit geprägt“ und bleibe eine Mahnung an die Risiken moderner Technologien. Der Papst rief dazu auf, dass Atomenergie dem Leben und dem Frieden dienen müsse.
Credits: APA
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