Die Gagen-Liste des ORF mit vielen Bezügen über 200.000 Euro sorgte erst kürzlich für Empörung – jetzt warnt der ORF-Redakteursrat die Regierung, dass bei den 3200 ORF-Mitarbeitern keinesfalls gespart werden darf. Der ORF-Redaktionsausschuss hat heute eine Resolution veröffentlicht, in der die ORF-Redakteure an die Regierung appellieren, den Bestand von Qualitätsmedien abzusichern.
Es wirkt etwas irritierend, wenn ein mit Zwangsgebühren in der Höhe von jährlich 730 Millionen Euro subventioniertes Medienunternehmen davon spricht, dass es nichts einsparen könne – und das obwohl erst kürzlich die ungeheuerlich hohen Gagen der ORF-Schickeria verpflichtend veröffentlicht werden mussten. Zur Erinnerung: Ein Frühstücksradiomoderator kam da auf 475.000 Euro Jahresgage (brutto), ein Newsroom-Planer und Manager auf mehr als 450.000 Jahresgehalt, zahlreiche andere TV-Sternchen auf mehr als 200.000 Euro Jahresgehalt.
Und: Das durchschnittliche Jahresgehalt der rund 3200 Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks (ORF) beträgt 91.400 Euro brutto – ein Wert, der weit über dem Durchschnittseinkommen der österreichischen Bevölkerung liegt. Finanziert werden diese Gehälter durch die ORF-Gebühren, die in der Bevölkerung zunehmend auf Kritik stoßen. Auch ZiB2-Moderator Armin Wolf kassiert 252.780,08 Euro brutto im Jahr, der eher unbekannte Ö3-Moderator Andreas Knoll 190.242,08 Euro brutto.
Auch für diese teuren ORF-VIPs wirft sich jetzt der ORF-Redaktionsausschuss in die Bresche, damit nur ja nicht irgendwie auch beim Staatsfunk gespart wird: Das von der Koalition geplante Sparprogramm führe dazu, dass das öffentlich-rechtliche Medienhaus in den kommenden Jahren hunderte Millionen Euro weniger zur Verfügung habe, was sich auf das Programm und die Qualität auswirken werde …
Zitat aus der Resolution: „Der Qualitätsjournalismus ist nicht nur in Österreich massiv unter Druck: die bewährten Finanzierungsmodelle brechen zusammen, weil bereits mehr als die Hälfte der heimischen Werbeausgaben an die großen Social-Media-Plattformen ins Ausland abfließt, ohne Wertschöpfung im journalistischen Bereich. Gleichzeitig ist die Bereitschaft des Publikums in der digitalen Welt für journalistische Inhalte zu bezahlen weit geringer, als das analog – etwa für Printprodukte – der Fall war. Produktion und Vertrieb sind für klassische Medien immens teuer geworden. Das alles führt dazu, dass die Budgets für die Redaktionen schrumpfen.
Dazu kommt steigender politischer Druck: Populistische Parteien versuchen über eigene Netzwerke an sogenannten ‚alternativen Medien‘ die etablierten Qualitätsmedien zu diffamieren und ihre Glaubwürdigkeit zu untergraben. Politische Parteien erkaufen sich mit Steuergeld Reichweite in den sozialen Netzwerken, um die Parteilinie an das Wahlvolk zu bringen. Kritische Fragen durch JournalistInnen werden damit ausgeschlossen. So erodiert das System der informierten Gesellschaft. Weil Propaganda und PR im Vordergrund stehen und nicht mehr die kritische Auseinandersetzung mit politischen Gegenpositionen.
Mit viel Steuergeld werden so Glaubwürdigkeit und finanzielle Basis von redaktionellem Journalismus durch Pseudo-Medien vernichtet.
Daher ist es dringend notwendig, Qualitätsmedien und professionellen Journalismus in Österreich mit den entsprechenden Rahmenbedingungen abzusichern. Weniger Journalismus ist jedenfalls keine Lösung!“
Der ORF als lokaler Medien-Riese geht also per Resolution auf alle kleineren Medien los, die keine oder kaum Chancen auf Medienförderung haben, weil diese eben auch über die Bundesregierung – und auch über den aufgeblähten Staatsfunk – kritisch berichten.
Credit: Screenshot
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