Wer künftig mit Fremden chattet, muss nicht mehr automatisch seine Telefonnummer preisgeben. WhatsApp führt frei wählbare Benutzernamen ein und schließt damit eine Datenschutzlücke, die Konkurrenten wie Telegram und Signal längst geschlossen haben.
Die Handynummer war bisher Pflicht
Bislang war es bei WhatsApp unausweichlich: Wer einen neuen Chat startete, bekam automatisch die Telefonnummer des Gegenübers angezeigt — und umgekehrt. Wie oe24.at berichtet, soll sich das nun ändern: Der Austausch soll künftig über einen frei wählbaren Benutzernamen möglich sein, ohne dass dabei die eigene Nummer preisgegeben wird.
„Ein zentrales Datenschutz-Feature“
WhatsApp selbst erklärte den Schritt in einem Blogbeitrag des Meta-Konzerns, wie das Magazin TechCrunch berichtet. Alice Newton-Rex, Vizepräsidentin und Head of Product bei WhatsApp, begründete die Neuerung in einem Pressebriefing so: „Wenn man jemand Neuen trifft, sei es ein Klassenkamerad, ein Nachbar oder jemand, den man bei einem Event kennengelernt hat, kann das Teilen der eigenen Telefonnummer wie ein großer Schritt wirken.“ Benutzernamen seien daher so gestaltet, dass Nutzer selbst kontrollieren, wer ihre Nummer überhaupt zu sehen bekommt.
Auch gegenüber der Nachrichtenagentur AP betonte Newton-Rex laut einem Bericht der NBC-Tochter NBC Washington den Datenschutz-Charakter der Funktion: „Wir haben das als zentrales Datenschutz-Feature konzipiert.“ Ein öffentliches Verzeichnis der Benutzernamen werde es nicht geben, und die App schlage beim Tippen auch keine Namen vor. Wer jemanden erstmals kontaktieren wolle, müsse dessen exakten Benutzernamen kennen.
Reservierung startet weltweit gleichzeitig
Weil mit großem Andrang gerechnet wird, beginnt die Reservierung der Wunschnamen weltweit zum selben Zeitpunkt. Laut TechCrunch sind Benutzernamen zwischen drei und 35 Zeichen lang erlaubt. Newton-Rex erklärte demnach, dass man sich wegen der schieren Größe der Plattform — mehr als drei Milliarden Nutzer weltweit — für eine frühe Reservierungsphase entschieden habe, um Namenskonflikte zu vermeiden: „Ich denke, viele Menschen werden sich Benutzernamen sichern wollen, deshalb haben wir uns entschieden, die Reservierung früh zu öffnen.“
Wie oe24.at ergänzt, bleibt die Handynummer für die Kontoregistrierung weiterhin notwendig — sie verschwindet also nicht komplett aus dem System, wird aber nicht mehr automatisch an neue Kontakte weitergegeben. Ist die eigene Nummer bei der anderen Person bereits im Telefonbuch gespeichert, bleibt sie freilich weiterhin sichtbar.
Schutz vor Identitätsdiebstahl
Um Missbrauch zu verhindern, hält WhatsApp Benutzernamen für prominente Personen und Organisationen zurück, etwa für Prominente, öffentliche Personen oder staatliche Einrichtungen — das berichtet die Nachrichtenseite NBC Washington unter Berufung auf das Unternehmen. Firmen, Organisationen und Content-Creators mit bestehenden Meta-Konten erhalten zudem die Möglichkeit, ihren Instagram- oder Facebook-Namen direkt für WhatsApp zu übernehmen.
Eine Einschränkung gibt es laut TechCrunch derzeit noch: Eine Möglichkeit, Kontakte per QR-Code ausschließlich über den Benutzernamen herzustellen, existiert vorerst nicht. Der Name muss also mündlich oder per Nachricht weitergegeben werden.
WhatsApp holt auf
Mit dem Schritt zieht WhatsApp mit Konkurrenten nach, die Benutzernamen längst etabliert haben. Wie TechCrunch schreibt, bietet Telegram bereits seit 2014 Benutzernamen an, Signal begann 2023 mit Tests der Funktion, und auch der Messenger Wire ermöglicht sie schon seit 2016. Für Nutzer, die vollständig anonym bleiben möchten, gelten zudem Apps wie Threema und Session als Alternativen — sie verlangen bei der Registrierung gar keine Telefonnummer.
Credits: Screenshot
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