Kurz vor dem Besuch von NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Washington erhöht Donald Trump den Druck auf Europa – und droht mit einem Ende des amerikanischen Sicherheitsschirms.
Klage vor dem Weißen Haus
Wie oe24 und der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichten, warf US-Präsident Donald Trump mehreren europäischen Verbündeten am Montagabend mangelnde Unterstützung im Iran-Krieg vor. Die USA hätten über Jahre enorme Summen für den Schutz Europas ausgegeben, sagte Trump im Weißen Haus – doch als Washington selbst Hilfe gegen den Iran erbeten habe, seien wichtige Partner nicht zur Stelle gewesen.
Namentlich nannte Trump Großbritannien, Deutschland und Italien. „Wir haben sie gebeten zu kommen, und sie waren nicht für uns da“, sagte er laut oe24. Konkreter wurde er nicht – weder was die konkret erbetene Unterstützung betrifft noch was die Reaktion der genannten Länder anging.
Indirektes Infrage stellen des NATO-Schutzes
Der Kern von Trumps Aussage geht über die Iran-Debatte hinaus. Wie t-online unter Berufung auf dpa berichtet, stellte der US-Präsident amerikanische Sicherheitszusagen für Europa indirekt infrage: Die USA gäben Hunderte Millionen Dollar aus, um europäische Staaten vor Russland zu schützen. Wenn Verbündete den Vereinigten Staaten bei „vergleichsweise kleinen Angelegenheiten“ nicht helfen wollten, könne Washington künftig ebenfalls Nein sagen. US-Regierungsvertreter hätten NATO-Verbündeten bereits zuvor mehrfach vorgeworfen, die USA im Iran-Krieg nicht ausreichend unterstützt zu haben, wie der Tagesspiegel ergänzt.
Rutte kommt für drei Tage
Die Äußerungen fallen in ein besonders heikles Timing: NATO-Generalsekretär Mark Rutte wird von Dienstag bis Donnerstag in Washington erwartet, wie oe24 berichtet. Geplant ist unter anderem ein Treffen mit Trump im Weißen Haus sowie Gespräche mit anderen ranghohen Regierungsvertretern.
Hintergrund: Europas Rolle im Iran-Krieg
Tatsächlich war Europa im Iran-Konflikt gespalten: Während die USA ab Ende Februar 2026 Luftangriffe auf iranische Atomanlagen und Militärinfrastruktur flogen, hielten sich die meisten europäischen NATO-Mitglieder aus direkter militärischer Beteiligung heraus. Großbritannien, Deutschland und Frankreich hatten stattdessen auf diplomatische Schritte gesetzt und wiederholt Gesprächskanäle betont. Für die Trump-Regierung ist das ein offener Streitpunkt, den sie nun – kurz vor dem Rutte-Treffen – bewusst öffentlich gemacht hat.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Trumps Timing ist kein Zufall: Indem er Europa kurz vor dem Rutte-Treffen öffentlich unter Druck setzt, versucht er offenbar, die Agenda für die Gespräche zu setzen und die Botschaft zu senden, dass amerikanische Sicherheitsgarantien keine Selbstverständlichkeit sind. Die unkonkrete Formulierung – weder die Art der erbetenen Hilfe noch die genauen Reaktionen der genannten Länder wurden spezifiziert – macht die Aussage politisch wirksam, aber inhaltlich schwer zu widerlegen. Dass Rutte jetzt nach Washington kommt, macht deutlich, wie ernst die europäische Seite das transatlantische Verhältnis nimmt – und wie sehr Washington das als Verhandlungsmacht nutzt.
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