Vor dem SPÖ-Gipfel: Auch Wien und Teile der Gewerkschaft rücken von Babler ab

Vor dem SPÖ-Gipfel: Auch Wien und Teile der Gewerkschaft rücken von Babler ab

Wenige Stunden vor dem Treffen mit den Landesparteichefs scheint Andreas Babler auch seine letzten Stützen in der Partei zu verlieren. Die Wiener SPÖ hat sich laut mehreren Berichten auf eine Linie gegen ihn verständigt, Teile der Gewerkschaft gehen auf Distanz. Und Babler selbst schließt einen Rückzug nicht mehr völlig aus.

Wiens „klare Haltung“

Am Samstag beriet Wiens Bürgermeister Michael Ludwig im Rathaus mit dem Landesparteipräsidium und den Vorsitzenden aller 23 Bezirksorganisationen. Danach schrieb er auf X, das Ergebnis sei eine „gemeinsame, klare Haltung der Wiener SPÖ“. Ein öffentliches Bekenntnis zu Babler vermied er. Im ORF Wien sagte er nur, man wolle „neben personellen Angelegenheiten auch über Inhalte diskutieren und auch über die politische Kommunikation“. Laut oe24, das sich auf mehrere Sitzungsteilnehmer beruft, lautet diese Linie: Babler müsse als Parteichef und als Vizekanzler zurücktreten. „Heute“ berichtet, die Wiener Bezirke sprächen sich mehrheitlich für eine Ablöse aus. Offiziell bestätigt hat das die Wiener SPÖ nicht.

Gewerkschaft geht auf Distanz

Auch in der Gewerkschaft, die bisher als eine der letzten Stützen Bablers galt, kippt laut Berichten die Stimmung. oe24 schreibt, die Gewerkschaft sei „dem Vernehmen nach“ für einen „gesichtswahrenden“ Rückzug Bablers als Parteichef, Vizekanzler und Minister. „Heute“ formuliert vorsichtiger: Die Gewerkschaft habe ihre „großteils schützende Hand“ entzogen, einzelne Vertreter wie Willi Mernyi stünden Babler aber weiter zur Seite. Eine offizielle Stellungnahme von ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian gibt es bislang nicht.

Babler schließt Rückzug nicht mehr aus

Bewegung gibt es offenbar auch beim Parteichef selbst. „Dem Vernehmen nach schließt Babler nicht mehr gänzlich aus, zumindest das Amt des Parteivorsitzenden abzugeben“, meldete die APA am Samstagnachmittag. Noch vor wenigen Tagen hatte er einen Rücktritt klar ausgeschlossen und auf seine Wiederwahl am Parteitag im März verwiesen. oe24 berichtet zudem unter Berufung auf Vertraute, Babler habe eingesehen, dass es „vorbei ist“, und für Sonntagabend sei eine gemeinsame Erklärung geplant. Bestätigt ist das nicht.

Was am Sonntag passieren kann – und was nicht

Das Treffen beginnt laut „Heute“ um 16 Uhr im Hotel Steigenberger in der Wiener Herrengasse, drei Stunden sind angesetzt. Zunächst beraten die Länderchefs unter sich, danach mit Babler, Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner, ÖGB-Chef Katzian und Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim. Formelle Beschlüsse sind dort nicht möglich, weil es sich um eine informelle Runde handelt, dafür braucht es laut APA danach einen Parteivorstand. Denkbar ist damit auch, dass Babler seinen Rückzug ankündigt, ohne dass schon ein Nachfolger feststeht. Ludwig kündigte an: „Es wird eine Entscheidung über einen Prozess geben.“

Die Nachfolgefrage bleibt offen

Wer Babler nachfolgen könnte, ist ungeklärt. In den Wiener Bezirken favorisiert laut oe24 eine deutliche Mehrheit Finanzminister Markus Marterbauer. Der hatte allerdings erst am Freitag in der „ZiB2“ erklärt, er sehe eine zusätzliche Funktion derzeit nicht, seine Priorität sei, gesund zu werden und das Budget zu sanieren. Auch Holzleitner hat abgewunken, ausdrücklich auch für eine Übergangslösung. Gerhard Zeiler, der sich offen beworben hat, hält an seiner Kandidatur fest, hat laut „profil“ aber weder in der Wiener Partei noch in der Gewerkschaft breite Unterstützung.

Credits: Parlamentsdirektion/​Katie-Aileen Dempsey

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