US-Psychiater warnt erneut vor Trumps Zugriff auf Atomwaffen

US-Psychiater warnt erneut vor Trumps Zugriff auf Atomwaffen

In den USA reißt die Debatte über den Gesundheitszustand von Präsident Donald Trump nicht ab. Der Psychiater Henry Abraham hat seine Warnungen nun weiter verschärft und sieht in Trumps Zugriff auf das amerikanische Atomwaffenarsenal eine wachsende Gefahr.

„Wenn überhaupt, ist es schlimmer geworden“

In einem Interview mit Radiomoderator Dean Obeidallah wurde Abraham gefragt, ob sich seine Einschätzung zu Trump zuletzt verändert habe. Seine Antwort fiel eindeutig aus: „Wenn überhaupt, ist es schlimmer geworden.“ Bereits im April gehörte der emeritierte Psychiatrieprofessor der Tufts University zu einer Gruppe von 36 Medizinern, die öffentlich Trumps sofortige Amtsenthebung gefordert hatten, weil sie den Präsidenten für nicht mehr amtsfähig hielten.

Ein Vergleich mit Piloten

Eine offizielle Diagnose einer kognitiven Erkrankung liegt bei Trump nicht vor – Abraham stützt seine Einschätzung stattdessen auf eigene Beobachtungen öffentlicher Auftritte über einen Zeitraum von rund 40 Jahren, in denen er nach eigenen Angaben ein klares Muster erkannt habe. Zur Veranschaulichung zieht er einen Vergleich aus einem anderen sicherheitskritischen Berufsfeld heran: Würden Piloten auch nur die Hälfte jener Symptome zeigen, die er bei Trump beobachte, dürften diese nicht mehr fliegen, so Abraham.

„Ich glaube, die Gefahr ist größer denn je“

Besonders die militärische Macht des Präsidenten sieht Abraham als zentrales Risiko. Da der Gesundheitszustand des US-Präsidenten im amerikanischen System nicht öffentlich einsehbar ist, obwohl dieser Zugriff auf das größte Atomwaffenarsenal der Welt hat, warnt er: „Ich glaube, die Gefahr ist größer denn je, dass Donald Trump aus Ärger oder Wut, aus Verwirrung oder wegen mangelnder Impulskontrolle eine Atomwaffe einsetzt.“ Sein Fazit: „Ja, er ist gefährlicher.“ Abraham war Mitbegründer der internationalen Ärztebewegung gegen den Atomkrieg (IPPNW), die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Eine ethisch umstrittene Praxis

Wichtig zur Einordnung: Ferndiagnosen von Psychiatern über nicht selbst untersuchte, öffentliche Personen gelten in der Fachwelt traditionell als ethisch heikel. Grundlage dafür ist die sogenannte „Goldwater-Regel“ der American Psychiatric Association, die es Psychiatern untersagt, öffentliche Einschätzungen zum psychischen Zustand von Personen abzugeben, die sie nicht offiziell untersucht oder dazu ihre Erlaubnis erteilt haben. Abraham selbst hält diese Regel in Trumps Fall für nicht anwendbar und verweist darauf, dass sie von früheren Präsidenten der Fachgesellschaft selbst als bloße Richtlinie eingestuft wurde, die im Extremfall zu einer „übertriebenen Skrupelhaftigkeit“ führen könne.

Weißes Haus widerspricht mit ärztlichem Attest

Die US-Regierung vertritt zum Gesundheitszustand des Präsidenten eine klar gegenteilige Position. Am 29. Mai präsentierte das Weiße Haus nach einer Routineuntersuchung ein Memorandum von Trumps Arzt, das dem Präsidenten eine „ausgezeichnete“ körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit bescheinigt. Herz, Lunge und neurologische Funktionen seien demnach in sehr gutem Zustand, Trump sei vollständig in der Lage, alle Pflichten eines Präsidenten und Oberbefehlshabers zu erfüllen.

Auch Diskussion um Gewichtsangaben

Die Debatte um Trumps Gesundheitszustand erstreckt sich mittlerweile auch auf scheinbare Nebensächlichkeiten: Ende August berichtete die „Washington Post“ über Bedenken von Ärzten wegen deutlich voneinander abweichender Gewichtsangaben aus verschiedenen Jahren. Bei seiner Anklage im Bundesstaat Georgia im August 2023 wurde Trumps Gewicht mit 215 Pfund – rund 98 Kilogramm – angegeben. Das ärztliche Memorandum vom Mai 2026 nennt hingegen 238 Pfund, umgerechnet knapp 108 Kilogramm, also rund zehn Kilogramm mehr.

Eine Debatte ohne klare medizinische Grundlage

Die aktuellen Aussagen Abrahams zeigen, dass die Diskussion um Trumps geistige und körperliche Fitness fortbesteht – ohne dass es dazu bislang eine unabhängig verifizierte medizinische Untersuchung gibt, auf die sich beide Seiten stützen könnten. Solange weder eine unabhängige kognitive Testung veröffentlicht noch eine offizielle Diagnose gestellt wird, bleiben sowohl Abrahams Warnungen als auch die Beteuerungen des Weißen Hauses letztlich unbewiesene Positionen in einer politisch aufgeladenen Debatte.


Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x