Ukraine braucht mehr Geld – trotz 170 Milliarden Euro Hilfe seit Kriegsbeginn

Ukraine braucht mehr Geld – trotz 170 Milliarden Euro Hilfe seit Kriegsbeginn

Die Ukraine kämpft nicht nur an der Front, sondern zunehmend auch im eigenen Staatshaushalt mit massiven Problemen. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Budgetdefizit des Landes nun als „astronomisch“ – und das, obwohl die EU erst kürzlich weitere Milliarden nach Kiew überwiesen hat.

„Astronomisch“ – aber ohne konkrete Zahl

„Wir arbeiten an einigen Vorschlägen, um das von mir angesprochene Defizit zu beheben – das, unter uns gesagt, astronomisch ist“, sagte Selenskyj bei einem Gipfel der Karpaten-Staaten im westukrainischen Gebiet Iwano-Frankiwsk. Eine konkrete aktuelle Summe für das Finanzloch nannte der Präsident dabei nicht. Im August hatte er den Fehlbetrag noch mit umgerechnet rund 23,5 Milliarden Euro beziffert.

Weitere 3,3 Milliarden Euro aus Brüssel

Erst am Donnerstag hatte Selenskyj mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen telefoniert. Die EU-Kommission teilte im Anschluss mit, weitere 3,3 Milliarden Euro an die Ukraine ausgezahlt zu haben – Geld aus dem insgesamt 90 Milliarden Euro schweren EU-Unterstützungskredit für die Jahre 2026 und 2027. Die aktuelle Tranche ist konkret für die Beschaffung von Verteidigungsgütern vorgesehen und deckt unter anderem Drohnen und Raketen ab. Von den insgesamt 90 Milliarden Euro sind 30 Milliarden für die Unterstützung des ukrainischen Staatshaushalts reserviert, 60 Milliarden für Verteidigungsausgaben.

Bauunternehmen stoppt Projekte wegen Zahlungsproblemen

Wie angespannt die finanzielle Lage tatsächlich ist, zeigt sich auch abseits der großen EU-Zahlen: Das ukrainische Bauunternehmen Autostrada erklärte am Donnerstag, seine Arbeiten an staatlich finanzierten Projekten wegen ausbleibender Zahlungen einzustellen. Finanzminister Serhij Martschenko hatte zuvor bereits „Liquiditätsprobleme“ eingeräumt. Nach Angaben aus dem parlamentarischen Haushaltsausschuss wurden staatliche Investitionen bis zum Jahresende eingefroren. Autostrada zählt zu den größten Bauunternehmen des Landes und stand 2025 für rund 30 Prozent des Umsatzes der zehn größten ukrainischen Baufirmen.

46 Milliarden Euro Finanzierungsbedarf für 2027

Auch im kommenden Jahr bleibt die Ukraine massiv auf ausländische Finanzhilfen angewiesen. Für den geplanten Staatshaushalt von umgerechnet mehr als 141 Milliarden Euro rechnet Kiew mit fast 46 Milliarden Eur

Über 170 Milliarden Euro seit Kriegsbeginn

Seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als viereinhalb Jahren sind nach Angaben aus Kiew bereits umgerechnet mehr als 170 Milliarden Euro aus dem Ausland in den ukrainischen Staatshaushalt geflossen. Trotz dieser gewaltigen Summe bleibt der Finanzbedarf des Landes offenbar weiterhin enorm – ein Umstand, der angesichts der wachsenden Kriegskosten und der von Selenskyj selbst als „astronomisch“ bezeichneten Haushaltslücke auch die europäischen Geldgeber in den kommenden Monaten weiter beschäftigen dürfte.

Credits: BKA

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