Es ist ein Fall von internationaler Brisanz: Der schwedische Journalist Joakim Medin, Reporter der Tageszeitung Dagens ETC, wurde bei seiner Einreise in die Türkei festgenommen und steht nun vor einem Gerichtsverfahren mit drastischen Konsequenzen.
Ihm drohen bis zu zwölf Jahre Haft – drei Jahre wegen mutmaßlicher Beleidigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sowie neun Jahre wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, berichtet das Politikmagazin Politico.
Medin war Ende März in die Türkei gereist, um über landesweite Proteste zu berichten. Auslöser dieser Unruhen war die Inhaftierung von Istanbuls Bürgermeister Ekrem İmamoğlu, einem prominenten Oppositionspolitiker und potenziellen Herausforderer Erdoğans. Nur kurz nach seiner Ankunft wurde Medin von den türkischen Behörden festgesetzt.
Die Anklage wirft ihm vor, mit seinen journalistischen Arbeiten sowohl den Präsidenten beleidigt als auch für die PKK, die von Ankara als Terrororganisation eingestuft wird, tätig gewesen zu sein. Die Redaktion von Dagens ETC weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Joakim ist ein Journalist, der einfach nur seine Arbeit gemacht hat“, erklärte Chefredakteur Andreas Gustavsson. Es sei absurd, die Berichterstattung über politische Entwicklungen in der Türkei als terroristisch zu bewerten.
„Die Türkei versucht, all das, was Joakim an journalistischer Arbeit über das Land veröffentlicht hat, als Terrorismus darzustellen. Das ist grotesk und ein Angriff auf die Pressefreiheit“, betonte Gustavsson.
Auch die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard hat sich in den Fall eingeschaltet. Sie habe das Thema in einem Gespräch mit ihrem türkischen Amtskollegen angesprochen und fordere die sofortige Freilassung Medins. „Er soll nach Hause zurückkehren dürfen“, sagte sie.
Das Verhältnis zwischen Schweden und der Türkei war bereits vor diesem Vorfall angespannt – unter anderem wegen Ankaras anfänglicher Blockadehaltung gegenüber dem schwedischen NATO-Beitritt. Ankara begründete dies unter anderem mit der angeblich unzureichenden Distanzierung Stockholms von kurdischen Gruppen.
Internationale Organisationen wie Human Rights Watch und die EU kritisieren die Türkei seit Jahren wegen ihres Umgangs mit Medienfreiheit und politischer Opposition. Der Fall Medin reiht sich in eine lange Liste von Festnahmen und Repressionen gegen kritische Journalisten ein. Erst im Vormonat war BBC-Korrespondent Mark Lowen wegen angeblicher Gefährdung der öffentlichen Ordnung des Landes verwiesen worden.
Joakim Medin ist kein Unbekannter in Krisengebieten: Bereits 2015 war er in Syrien inhaftiert worden und kam erst nach Verhandlungen mit kurdischen Gruppen wieder frei.
Die Verhandlung wegen der Erdoğan-Beleidigung ist für den 30. April angesetzt. Internationale Beobachter und Pressefreiheitsorganisationen beobachten den Prozess mit großer Sorge.
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