Luftangriffe, Verhandlungen, Drohungen, Angebote – US-Präsident Donald Trump hat im Konflikt mit dem Iran nahezu jedes diplomatische und militärische Mittel ausprobiert. Je länger sich die Auseinandersetzung hinzieht, desto deutlicher zeigt sich: Der selbst befohlene Krieg lässt sich nicht so einfach beenden, wie es sich der US-Präsident vorgestellt hatte.
Vom Angriff zum Abwarten
Der jüngste Kurswechsel im Weißen Haus lautet: abwarten. Washington setzt auf eine fortgesetzte Blockade iranischer Häfen, um die Wirtschaft des Landes auszuhungern und das Regime in Teheran zu schwächen, wie oe24 in seiner Analyse schreibt. Tatsächlich verschärft sich die wirtschaftliche Lage im Iran deutlich: Die Ölexporte, die wichtigste Devisenquelle des Landes, sind massiv eingebrochen. Politisch zeigt sich dabei allerdings eine unbeabsichtigte Nebenwirkung – in Teheran dominieren die Hardliner stärker als zuvor.
Die Straße von Hormuz bleibt blockiert
Die Blockadestrategie hat allerdings auch für Trump selbst einen Preis. Die Straße von Hormuz, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels lief, bleibt weiterhin gesperrt. In der vergangenen Woche passierten im Schnitt nur elf Schiffe pro Tag die strategisch wichtige Meerenge – vor Kriegsbeginn waren es rund 130. Damit fehlen dem Weltmarkt schätzungsweise zehn Prozent der globalen Ölversorgung, die Preise bleiben entsprechend hoch.
Schwindende militärische Reserven
Auch eine mögliche militärische Eskalation wird für die USA zunehmend schwieriger. Die Vorräte an Abfang- und Langstreckenraketen schwinden – bei den Patriot-Luftabwehrsystemen sollen laut der Analyse bereits mehr als 60 Prozent der Bestände verbraucht worden sein. Für den 80-jährigen Präsidenten dürfte sich damit zunehmend abzeichnen, dass der Konflikt seine gesamte Präsidentschaft zu belasten droht.
Historisches Umfragetief
Innenpolitisch wächst der Druck spürbar. Nach Angaben der Umfrageplattform „Silver Bulletin“ des Analysten Nate Silver unterstützen nur noch rund 19,6 Prozent der Befragten in den USA das militärische Vorgehen im Nahen Osten. Trump selbst befindet sich im schlimmsten Umfragetief seiner zweiten Amtszeit: In aktuellen Aggregatswerten liegt seine Zustimmung bei rund 39 Prozent, während sein Netto-Zustimmungswert laut Silver-Bulletin-Auswertung zeitweise auf einen Rekordtiefstand von minus 16,9 Prozentpunkten fiel – einen niedrigeren Wert als jeder US-Präsident seit Harry Truman zu einem vergleichbaren Zeitpunkt seiner Amtszeit erreichte. Besonders schlecht schneidet Trump dabei bei der Wirtschaftspolitik sowie beim Thema Inflation ab, wo mehrere Umfragen – darunter von Quinnipiac University und CNN – eine breite Ablehnung seines Kurses feststellen.
Wirtschaftliche Rückschläge trotz Rekordbörsen
Auch wirtschaftlich setzte es zuletzt Dämpfer: Im Juli gingen in den USA 23.000 Arbeitsplätze verloren, unter anderem wegen höherer Kosten durch den Iran-Krieg sowie Trumps neue Zölle und Handelskonflikte, wie oe24 berichtet. Der Präsident selbst zeichnet davon unbeeindruckt weiterhin ein positives Bild und schwärmt öffentlich von Amerikas „Goldenem Zeitalter“. Ein tatsächlicher Lichtblick für die von Trump vielbeschworene „Trump-Ökonomie“ bleiben die Aktienmärkte, die regelmäßig neue Rekordstände erreichen.
Sorge vor herber Niederlage bei den Zwischenwahlen
Für die Republikanische Partei drohen die positiven Börsenkurse allein aber nicht auszureichen. Weniger als drei Monate vor den Kongress-Zwischenwahlen („Midterms“) zeichnet sich eine mögliche Schlappe ab: In Umfragen zur Parteipräferenz liegen die Demokraten mit rund sieben Prozentpunkten vorne. Verliert Trumps Partei dabei die Mehrheit in beiden Kongresskammern, wäre der Präsident in seinen letzten beiden Amtsjahren politisch weitgehend handlungsunfähig.
Eine durchwachsene außenpolitische Bilanz
Bereits jetzt werden erste kritische Bilanzen zur zweiten Amtszeit Trumps gezogen, besonders in der Außenpolitik: Neben dem als Fiasko beschriebenen Iran-Konflikt bleibt auch der Ukraine-Krieg eine offene Wunde. Diesen wollte Trump eigentlich noch am „Day One“ seiner Amtszeit im Oval Office beenden – 569 Tage später hält das Blutvergießen weiter an. Besondere Ironie liegt darin, dass Trump im Wahlkampf explizit versprochen hatte, keine neuen „Endloskriege“ zu beginnen – schon gar nicht im Nahen Osten.
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