Der Mann, der die Verträge zur Abspaltung des asbestbelasteten Rumpersdorf-Betriebs verfasste, ist zugleich Aufsichtsrat der Konzernmutter – und einer der engsten Vertrauten von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. exxtra24 legt in Teil 3 der Serie die Verbindungen zwischen Rechtsanwalt Johannes Zink, der Granit-Gruppe und der burgenländischen Landespolitik offen.
Wer ist Johannes Zink
Mag. Johannes Zink, geboren 1983, ist Partner bei der Kanzlei hba Rechtsanwälte. Wie „profil“ bereits 2023 berichtete, vertrat Zink Doskozil bereits als 32-Jähriger in der Eurofighter-Causa und kam nach dessen Wahl zum Landeshauptmann 2017 mit ihm ins Burgenland. Zink zählt seither zu Doskozils engstem Umfeld und vertritt ihn nach Angaben des ORF Burgenland auch anwaltlich in einem WKStA-Verfahren, das nach ursprünglicher Einstellung wieder aufgenommen wurde.
Vom Rechtsberater zum Aufsichtsrat
Am 17. beziehungsweise 18. November 2022 wurde Zink laut Firmenbuchabfragen zur Granit Holding GmbH (FN 58036y) und zur Bauunternehmung Granit GmbH (FN 535609k) zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden beider Konzerngesellschaften bestellt – nur einen Tag auseinander. Die Granit Holding wiederum ist alleinige Gesellschafterin der Klöcher Baugesellschaft, jenes Unternehmens, das die asbestbelasteten Steinbrüche Rumpersdorf und Badersdorf betreibt und dessen Abspaltungsverträge – wie in Teil 2 dargestellt – von Zinks eigener Kanzlei verfasst wurden.
Ein Konzern mit Kartell-Vergangenheit
Die Granit-Gruppe, in deren Aufsichtsräten Zink seit November 2022 sitzt, hat selbst eine dokumentierte kartellrechtliche Vorgeschichte: Bereits Ende 2023 verhängte das Kartellgericht auf Antrag der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) eine rechtskräftige Geldbuße von 9,8 Millionen Euro gegen die Granit Holding GmbH sowie zwei ihrer Tochtergesellschaften. Grund waren kartellrechtswidrige Preisabsprachen, Marktaufteilungen und Informationsaustausch mit Mitbewerbern bei öffentlichen und privaten Ausschreibungen im Hoch- und Tiefbau, insbesondere im Straßenbau, für den Zeitraum 2002 bis 2017. Granit kooperierte dabei außerhalb des Kronzeugenprogramms mit der BWB und gab ein umfassendes Anerkenntnis ab. Bereits zuvor, im Oktober 2023, war zudem eine separate Geldbuße von 28.000 Euro gegen die Granit Holding wegen der verbotenen Durchführung eines nicht angemeldeten Zusammenschlusses verhängt worden.
Zum Zeitpunkt dieser Geldbußen war Ing. Gerhard Horn Geschäftsführer der Klöcher Baugesellschaft – jenes Konzernunternehmens, das die asbestbelasteten Steinbrüche Rumpersdorf und Badersdorf betreibt. Horn wurde im Februar 2026 als Geschäftsführer der Klöcher Baugesellschaft abberufen und stattdessen zum Geschäftsführer der neu gegründeten Steinbruch Rumpersdorf GmbH bestellt, in die der asbestbelastete Betrieb im Zuge der in Teil 2 dargestellten Abspaltung ausgegliedert wurde. Zu betonen ist: Die genannten Kartellverfahren richteten sich gegen die Granit-Gruppe als Unternehmen – eine strafrechtliche Verurteilung Horns oder anderer einzelner handelnder Personen persönlich ist damit nicht automatisch verbunden und liegt nach aktuellem Rechercheergebnis nicht vor.
Ein Amt mit direktem Landeseinfluss
Wie exxtra24 bereits berichtete, gilt Zink zudem als Favorit für den Aufsichtsratsvorsitz der landeseigenen Burgenland Energie AG, als Nachfolger von Dr. Johann Sereinig. FPÖ-Klubobmann Christian Ries stellte dazu am 4. August 2026 79 nummerierte Fragen an das Amt der Burgenländischen Landesregierung, die Landesholding Burgenland GmbH und die Burgenland Energie AG – mit dem Kern, wie eng Rechtsberatung, politische Nähe und wirtschaftliche Interessen bei Zink miteinander verwoben sind. Sereinig bestätigte gegenüber exxtra24 zudem Bedenken im bestehenden Aufsichtsrat gegen eine Vertragsverlängerung von CFO Reinhard Czerny sowie eine Intervention Doskozils zugunsten von Czernys Verbleib.
Was das mit dem Asbestkomplex zu tun hat
Im Podcast „Die Dunkelkammer“ nennt Greenpeace-Vertreter Stefan Stadler ein politisches Nahverhältnis zwischen Klöcher Bau und Doskozil als möglichen Hintergrund für eine aus seiner Sicht zurückhaltende Landespolitik im Umgang mit dem Asbestkomplex – ausdrücklich als eigene politische Bewertung ohne vorgelegte Auftrags- oder Zahlungsanalyse gekennzeichnet. Die von exxtra24 recherchierten Firmenbuchdaten liefern dazu erstmals eine strukturelle, dokumentarisch belegte Verbindung, die im Podcast nicht vorkommt: Doskozils persönlicher Anwalt sitzt im Aufsichtsrat jenes Konzerns, dessen Tochter die belasteten Steinbrüche betreibt, dessen Kanzlei zugleich deren Haftungsstruktur mitgestaltet hat – und der selbst bereits wegen Kartellverstößen zu einer Millionenstrafe verurteilt wurde.
Was nicht belegt ist
Eine kausale Verbindung zwischen dieser Ämterhäufung und dem politischen Umgang des Landes mit dem Asbestkomplex ist damit nicht bewiesen. Es liegt exxtra24 kein Beleg für eine konkrete Einflussnahme Doskozils auf Stilllegungs-, Sanierungs- oder Genehmigungsentscheidungen zugunsten der Granit-Gruppe vor. Die dargestellte Konstellation beschreibt eine Nähe zwischen Amt, Anwaltschaft und Wirtschaft, die weitere politische wie juristische Fragen aufwirft – sie belegt für sich genommen kein Fehlverhalten.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Die in diesem Teil dargestellte Ämterstruktur ist durch Firmenbuchdaten und Presseberichte belegt. Die kartellrechtliche Verurteilung der Granit-Gruppe zu 9,8 Millionen Euro ist durch die Bundeswettbewerbsbehörde und mehrere unabhängige Medien bestätigt, betrifft aber das Unternehmen, nicht einzelne handelnde Personen persönlich. Eine Verbindung zwischen der beschriebenen Nähe und konkreten politischen Entscheidungen im Asbestkomplex ist nicht nachgewiesen und wird von exxtra24 auch nicht behauptet.
Hier gehts zu Teil 1 und Teil 2 unserer Serie.
Credits: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132227569
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